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Der Weg zur Demokratie in Argentinien

10.12.2013 Heute vor dreißig Jahren trat Raúl Alfonsín sein Amt als Präsident der Republik Argentinien an. Nach einer langen autoritären Phase wurde mit diesem Schritt der Übergang zur Demokratie vollendet. Dieses Ereignis prägte nicht nur das Land selbst, sondern war auch ein wichtiger Auslöser für die Demokratisierungsprozesse in vielen weiteren Ländern der Region.

Der Falklandkrieg setzt der Militärregierung ein Ende

Zu Beginn der achtziger Jahre begann die Macht der Militärregierung langsam zu schwinden. Dies lag in erster Linie an den großen wirtschaftlichen Problemen, die das Land während dieser Zeit hatte. Diese sorgten dafür, dass die Unzufriedenheit in der Bevölkerung stark zunahm.

Aus diesem Grund versuchte das Militär, über ein nationalisitisch-patriotisches Element die Macht im Inneren zu stärken. Die Falkland-beziehungsweise Malvinas-Inseln, die wenige Hundert Kilometer vor der argentinischen Küste liegen, gehören zu Großbritannien. Argentinien erhebt jedoch bereits seit über einem Jahrhundert Anspruch auf die Insel und die meisten Bewohner des Landes sind der Meinung, dass sie zum Staatsgebiet zählen. Der hohe Stellenwert dieser kleinen Inseln wurde vom Militärregime genutzt, um durch die Eroberung die Zustimmung im Inneren zu erhöhen. Auf diese Weise wurde der Falklandkrieg begonnen. Die Rechnung der Militärs ging zunächst auf, da die Besetzung der Inseln von der Bevölkerung sehr positiv aufgenommen wurde.

Nachdem die britische Regierung jedoch ihren Militärapparat in Gang gesetzt hatte, mussten sich die argentinischen Eroberer relativ schnell zurückziehen. Die Militärregierung verlor durch das Scheitern jegliches Ansehen und zog sich daraufhin weitgehend selbst zurück und machte den Übergang zur Demokratie frei.

Alfonsín wird zum Präsidenten gewählt

Raúl Alfonsín
Raúl Alfonsín
Quelle: Wikimedia Commons

Raúl Alfonsín war bereits seit längerer Zeit einer der Führer der Partei UCR. Als sich das Ende der Militärherrschaft abzeichnete, konnte er seine Position immer weiter ausbauen. Schließlich wurde er mit großer Mehrheit zum Parteivorsitzenden und zum Präsidentschaftskandidaten gewählt.

Zu diesem Zeitpunkt galt der Kandidat jedoch nur als wenig aussichtsreich. Dies liegt daran, dass die populistische Partei PJ seit ihrer Gründung bis zu diesem Zeitpunkt jede freie Wahl gewinnen könnte. Es wurde erwartet, dass dies auch dieses Mal wieder der Fall sein würde. Allerdings kam es bei der Wahl zu einer großen Überraschung. Alfonsín gewann mit deutlicher Mehrheit und wurde daraufhin nach einer langjährigen Unterbrechung der erste demokratisch gewählte Präsident des Landes. Er trat sein Amt am 10. Dezember 1983 an, weshalb dieses Datum für den vollständigen Übergang zur Demokratie steht

Feierlichkeiten werden durch Unruhen überschattet

Die Regierung Argentiniens organisierte anlässlich des 30-jährigen Jubiläums große Feierlichkeiten. Allerdings wachsen die sozialen Probleme im Land ständig an und auch die Regierung selbst erlitt bei den Teilwahlen des Parlaments im Oktober eine herbe Niederlage. Vor einigen Tagen hat sich die konfliktbeladene Situation im Land weiter zugespitzt. In vielen Provinzen streikt momentan die Polizei, was von vielen Personen für Plünderungen genutzt wird. Hunderte Geschäfte wurden bereits geplündert und zerstört. Mehr als zehn Menschen kamen bei den Gewaltakten bereits ums Leben.

Die Festlichkeiten werden daher von einem großen Teil der Bevölkerung sehr kritisch aufgenommen. Die hohe Passivität der Regierung bei der Bekämpfung der Konflikte führt zu starker Kritik. Es kommt hinzu, dass viele Bürger der Meinung sind, dass es angesichts der Todesopfer angebracht wäre, Staatstrauer zu verordnen, anstatt eine große Feier mit Musik und Tanz zu organisieren, die darüber hinaus auch hohe Summen an öffentlichen Geldern verschlingt, die an anderen Orten ganz offensichtlich nötiger gebraucht werden.





© Harald Angles