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Programm zur Erwachsenenbildung in Panama bringt erste Ergebnisse

07.01.2013 In Panama leben viele Menschen, die weder lesen noch schreiben können. Insbesondere in den abgelegenen Gebieten des Landes, in denen ein großer Teil der indigenen Bevölkerung lebt, ist die Alphabetisierungsquote nur sehr gering. Vor zwei Jahren begann die Regierung des mittelamerikanischen Landes mit einem interkulturellen Programm zur Erwachsenenbildung in der Region Ngäbe-Buglé. In dieser Region leben in erster Linie Nachfahren der ursprünglichen Bewohner des Landes und das Programm berücksichtigt deren kulturelle und sprachliche Besonderheiten, was zu einem wesentlichen Faktor für den Erfolg der Kampagne wurde.

248 Menschen schließen die Grundschule ab

Der Erfolg des Programms lässt sich daran bemessen, dass im Jahre 2012 - zwei Jahre nach dem Beginn der Kampagne - 284 Menschen durch die Kampagne erfolgreich die Grundschule abschießen konnten. Die meisten Teilnehmer am Unterricht haben die Schule ein oder zwei Jahre lang besucht. Jedoch verfügten etwa 15 Prozent der Schüler über keinerlei Lese- oder Schreibfähigkeiten. Die Absolventen sind zwischen 15 und 70 Jahre alt, die meisten von ihnen sind Frauen, weshalb das Programm auch einen wichtigen Beitrag zur Gleichstellung leistet.

Die Vorteile für die Teilnehmer an dem Programm sind vielfältig. Der Analphabetismus verhinderte beispielsweise, dass die Menschen Schriftstücke von Behörden oder Wirtschaftsunternehmen verstehen oder beantworten konnten. Selbst eine Fahrt mit dem Bus stellte ein Problem dar, da die Menschen die Hinweisschilder mit den Fahrtzielen nicht verstanden. Auch auf die Zukunft der Region wirkt sich die Kampagne positiv aus. Viele der Teilnehmer helfen bereits ihren eigenen Kindern bei der Schularbeit. Dies kann nicht nur zu einem besseren Erfolg bei deren Erledigung beitragen, sondern hilft auch, den Stellenwert der Bildung in diesem Kulturkreis zu erhöhen.

Die Schwierigkeiten bei der Umsetzung

Alphabetisierungskampagnen in Gebieten mit mehrheitlich indigener Bevölkerung stoßen immer wieder auf kulturelle Probleme. Bei diesem Programm wurde jedoch darauf geachtet, derartige Barrieren so gering wie möglich zu gestalten.

Dies beginnt bereits bei der Sprache. Viele Einwohner dieser Region verstehen die offizielle Landessprache Spanisch kaum. Diese Sprache stellt jedoch auch die Unterrichtssprache dar, da Ngäbere, die Muttersprache vieler Einwohner, keine Schriftform aufweist. Um dieses Problem zu beheben wurden junge Menschen aus der Region, die zweisprachig aufgewachsen sind, als Mitarbeiter für das Projekt gewonnen, um die Kommunikation zu erleichtern.

Ein weiterer Punkt ist, dass es der erwachsenen Bevölkerung oftmals peinlich ist, die gleichen Schulen zu besuchen, wie ihre Kinder oder Enkel. Daher fand der Unterricht nicht in den öffentlichen Schulen statt, sondern in Kirchen, Parks oder an anderen Orten abseits der offiziellen Bildungseinrichtungen. Dies erhöhte die Bereitschaft der Bevölkerung, an dem Programm teilzunehmen, erheblich. Außerdem wurde bei der Umsetzung darauf geachtet, dass die Berufstätigkeit der Menschen - die in erster Linie im Kaffeeanbau arbeiten - durch den Unterricht nicht gestört wird.





© Harald Angles