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85 Jahre Che Guevara

14.06.2013 Ernesto "Che" Guevara würde heute - zumindest nach seiner offiziellen Geburtsurkunde - 85 Jahre alt werden. Dies soll zum Anlass genommen werden, um auf den Einfluss, den der argentinische Revolutionär auf die lateinamerikanische Geschichte genommen hat, zu analysieren.

Die Frage nach dem korrekten Geburtsdatum

Laut seiner Geburtsurkunde wurde Ernesto Guevara am 14. Juni 1928 geboren. In vielen Publikationen wird das Geburtsdatum jedoch einen Monat früher - auf den 14. Mai - datiert. Dies liegt daran, dass eine Bekannte der Mutter des Revolutionärs aussagte, dass das Geburtsdatum bewusst gefälscht wurde. Demnach war die Mutter Guevaras zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit bereits im dritten Monat schwanger. Um einen Skandal in der konservativen argentinischen Gesellschaft dieser Zeit zu vermeiden, zog sie sich für die Geburt des Kindes nach Rosario zurück, fernab von der Familie. Durch die Hilfe eines befreundeten Ärzten wurde die Geburtsurkunde genau einen Monat später datiert als die eigentliche Geburt stattfand.

Auch wenn es keine weiteren Beweise für diese Version gibt, wird sie in vielen Veröffentlichungen übernommen. An dieser Stelle soll jedoch nicht weiter auf die Frage nach dem Geburtsdatum eingegangen werden. Dies stellt sicherlich eine interessante Anekdote dar, ist jedoch für das Wirken des Revolutionsführers unerheblich.

Die Entwicklung zum Revolutionär

Guevara stammte aus einer gutbürgerlichen Familie und wuchs in geordneten Verhältnissen auf. Er spielte in seiner Jugend Rugby - eine Sportart die zu dieser Zeit in Argentinien beinahe ausschließlich von der Oberschicht praktiziert wurde. Der Beginn des Medizinstudiums stellte jedoch einen wichtigen Einschnitt in seinem Leben dar. Ein wichtiger Punkt ist sicherlich die Freundschaft mit Berta Gilda Infante, einer kommunistischen studentischen Aktivistin. Auch Guevara selbst zeigte immer mehr Interesse an den Ideen von Karl Marx und begann einige Zeit später auch eigene Gedanken in seinen philosophischen Heften niederzuschreiben.

Einen wichtigen Einfluss auf seinen Werdegang hatten auch die Reisen durch Argentinien und andere Länder Lateinamerikas. Dabei lernte er das Elend kennen, in dem weite Teile der Landbevölkerung zu dieser Zeit lebten. Diese Eindrücke erweckten in ihm den Wunsch, die Situation dieser Menschen zu verbessern. Seine erste Reise führte ihn in den armen Norden Argentiniens, seine zweite Reise verbrachte er als Sanitäter auf einem Handelsschiff. Die dritte Reise - die später auch verfilmt werden sollte - führte ihn durch verschiedene Länder Lateinamerikas, in denen die Situation der Bevölkerung erheblich schlechter war als in Argentinien. Dies war sicherlich ein weiterer wichtiger Anstoß für seine revolutionäre Laufbahn.

Nach dieser Reise beendete er schließlich sein Medizinstudium und führte daraufhin eine weitere Reise durch, von der er lange nicht zurückkehren sollte. Diese führte ihn über Bolivien und Peru nach Ecuador. Von dort brach er nach Mittelamerika auf, um die bevorstehende Revolution in Guatemala zu beobachten. Nachdem diese niedergeschlagen wurde, flüchtete er sich in die argentinische Botschaft, um später nach Mexiko auszureisen. Dort lernte er kubanische Revolutionäre kennen, die einige Zeit zuvor versucht hatten, den Diktator Batista zu stürzen. Zusammen mit ihnen besuchte er ein militärisches Trainingslager, um den Kampf gegen den Diktator aufzunehmen.

Die Teilnahme an der kubanischen Revolution

Ursprünglich war Guevara als Truppenarzt für die Revolutionäre vorgesehen. Nach kurzer Zeit nahm er jedoch auch immer häufiger an militärischen Aktionen teil und machte durch sein taktisches Verständnis auf sich aufmerksam. Er entwickelte sich schließlich zum zweitwichtigsten Anführer hinter Fidel Castro und trug mit der Eroberung Santa Claras entscheidend zum Erfolg der Revolution bei.

Nach der erfolgreichen Revolution nahm Guevara eine wichtige Stellung in der kubanischen Regierung ein. Er wurde unter anderem Präsident der Nationalbank und Industrieminister. Zu dieser Zeit war er einer der wichtigsten Männer des postrevolutionären Kubas. Jedoch brachten seine Bemühungen um eine Industrialisierung des Landes keine Erfolge, während die landwirtschaftliche Produktion stark zurückging. Dies brachte ihm auch Kritik von anderen sozialistischen Staaten ein.

Der Abschied aus Kuba

Während seiner Beteiligung an er Regierung in Kuba kam es jedoch zu immer größeren Differenzen zwischen ihm und den Castro-Brüdern. Während diese pragmatischer agierten und die Nähe zur Sowjetunion suchten, um sich gegen die USA zu schützen, brachte Guevara seine Differenzen mit der Sowjetunion immer deutlicher zum Ausdruck. 1965 trat er daher überraschend von seinen Ämtern zurück und reiste aus Kuba aus.

Zunächst reiste er in den Kongo, wo zu dieser Zeit bürgerkriegsähnliche Zustände herrschten, um dort eine sozialistische Revolution einzuleiten. Die Mission schlug jedoch fehl und viele Beobachter warfen Guevara vor, dir Kultur und die Tradition im Land bei seinen Bemühungen nicht zu berücksichtigen. Nach einem kurzen Aufenthalt in Kuba brach er auf, um in Peru für die Revolution zu kämpfen. Allerdings änderten sich die Pläne, sodass Guevara mit seiner Gruppe den Kampf in Bolivien fortsetze. Doch war auch diese Mission nicht von Erfolg gekrönt. Die Revolutionäre erhielten keinerlei Unterstützung durch die Einheimischen und mussten so weitestgehend alleine gegen die Armee kämpfen. Am 8. Oktober 1967 wurde Che Guevara schließlich gefangen genommen und am darauffolgenden Tag erschossen.

Das Gedenken an den Revolutionär

Nach seinem Tod wurde der Mythos des "Che" Guevara zu einem Leitbild für Tausende junger Menschen auf der ganzen Welt. Auch in Deutschland war er eine wichtige Identifikationsfigur für die 68-Bewegung. Bis heute sind Fahnen mit dem Abbild des Revolutionärs ein wichtiges Symbol vieler sozialistischer Bewegungen.

In Kuba wird heute an vielen Orten dem Geburtstag des Revolutionärs gedacht. Obwohl Guevara sich offenbar im Streit von der Castro-Regierung trennte, nutzte das Regime die Ausstrahlungskraft des Revolutionärs für seine eigenen Zwecke. Daher spielt das Gedenken an ihn auch in der heutigen Politik noch eine wichtige Rolle.





© Harald Angles