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Gipfeltreffen zwischen Europa und Lateinamerika

27.01.2013 In Santiago de Chile ging heute ein zweitägiges Gipfeltreffen zwischen den Regierungschefs der Europäischen Union und des lateinamerikanischen Staatenbündnisses CELAC zu Ende. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Weltregionen.

Gipfeltreffen mit veränderten Rahmenbedingungen

Lateinamerika ist eine der Weltregionen, die in den letzten zehn Jahren das stärkste Wirtschaftswachstum verzeichnen konnte. Europa musste hingegen in den letzten Jahren schwere Krisen hinnehmen. Lateinamerika ist daher zu einer immer interessanteren Region für europäische Unternehmen geworden, die an diesem Aufschwung ebenfalls teilhaben wollen und durch ihre Investitionen und durch den damit einhergehenden Wissens- und Technologietransfer auch weiter zum Aufschwung der Region beitragen können. Das Gipfeltreffen zwischen den beiden Regionen behandelte daher auch schwerpunktmäßig das Thema europäischer Direktinvestitionen in der Region.

Einige Länder, wie beispielsweise Kolumbien, Brasilien oder das Gastgeberland Chile, halten ihre Märkte weitgehend offen und betrachten die Rolle der ausländischen Investoren und der Handelsbeziehungen mit Europa als entwicklungsfördernd. Andere Staaten, wie beispielsweise Argentinien, Ecuador und Venezuela schaffen immer neue Handelsbarrieren und lehnen eine Liberalisierung der Handelsbeziehungen ab. Die argentinische Präsidentin Kirchner stellt beispielsweise in ihren Reden regelmäßig Europa als das Ergebnis einer verfehlten Wirtschaftspolitik dar.

Direktinvestitionen stehen im Mittelpunkt

Auf seiner Rede zum Abschluss der Veranstaltung, stellte der europäische Ratspräsident Herman Van Rompuy die europäischen Direktinvestitionen und die strategischen Beziehungen beider Weltregionen als die wichtigsten Themen der Gespräche dar. Konkrete Ergebnisse konnten jedoch nicht präsentiert werden. Zwar wurde von den Teilnehmern eine einstimmige Willenserklärung abgegeben, den Protektionismus im interregionalen Handel abzubauen, doch bleibt es fraglich, ob diese Erklärung konkrete Auswirkungen haben wird. Ein wichtiger Grund für die Schwierigkeiten bei der Festlegung einheitlicher Bedingungen sind sicherlich die Meinungsverschiedenheiten zwischen den einzelnen lateinamerikanischen Staaten, die unterschiedliche Pläne hinsichtlich der Liberalisierung der Wirtschaftsbeziehungen haben.

Aufgrund des Fehlens allgemeiner Abkommen haben die bilateralen Gespräche, die im Rahmend es Gipfeltreffens durchgeführt wurden, eine besondere Bedeutung. Beispielsweise wurden Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit Peru und Kolumbien in die Wege geleitet, die jedoch noch nicht endgültig verabschiedet werden konnten. Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel traf sich mit mehreren Staatschefs aus Lateinamerika um die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu pflegen.

Gipfeltreffen der CELAC im Anschluss an die Gespräche

Während die europäischen Teilnehmer des Gipfeltreffens ihre Mission bereits erfüllt haben, geht für die lateinamerikanischen Kollegen das Gipfeltreffen weiter. Die Staatschefs der CELAC werden noch einige Zeit in Santiago bleiben, um die politischen und wirtschaftlichen Details den noch jungen Bündnisses zu besprechen.





© Harald Angles