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Hugo Chávez erliegt seinem Krebsleiden

05.03.2013 Der Präsident Venezuelas, Hugo Chávez, ist heute seinem bereits seit eineinhalb Jahren bestehenden Krebsleiden erlegen. Dies gab am Nachmittag der Vizepräsident Nicolás Maduro in Caracas bekannt.

Chávez verliert den Kampf gegen den Krebs

Bereits seit Mitte 2011 litt der venezolanische Staats- und Regierungschef an einem Krebsgeschwür in der Hüftregion. In den vergangenen eineinhalb Jahren wurde er vier Mal operiert. Stets gab er sich zuversichtlich und gewillt, sein Amt weiterzuführen. Erst vor etwa vier Monaten wurde er bei den Präsidentschaftswahlen in seinem Amt bestätigt. Er beteuerte im Wahlkampf stets, dass seine Krankheit ihn nicht beeinträchtigen werde.

Nur zwei Monate nach der Wahl - noch vor seiner erneuten Vereidigung - musste er sich jedoch zu einer erneuten Operation nach Kuba begeben. Seitdem war sein Gesundheitszustand sehr ungewiss. Sein Stellvertreter erklärte zwar mehrfach, Chávez gehe es gut und führe seine Amtsgeschäfte aus, allerdings gab es kein eindeutiges Lebenszeichen des Präsidenten. Nachdem die Ungewissheit immer größer geworden war, forderte die Opposition immer vehementer ein Lebenszeichen des Staatschefs. Daraufhin tauchten angeblich von Chávez unterschriebene Dokumente und ein Foto des Präsidenten auf. Diese Lebenszeichen sorgten jedoch für noch mehr Zweifel am Gesundheitszustand des Regierungschefs, da sie von großen Teilen der Gesellschaft als Fälschungen angesehen wurden. Vor etwa zwei Wochen kehrte Chávez unvermittelt nach Venezuela zurück, allerdings ohne sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Heute gab nun Maduro offiziell den Tod des Präsidenten bekannt.

Das Leben des Präsidenten

Chávez wurde 1954 im venezolanischen Bundesstaat Barinas geboren und schlug zunächst eine Militärkarriere ein. 1992 versuchte er, mit einem Putsch an die Macht zu gelangen, was allerdings misslang. Im Gefängnis entwickelte er schließlich eine Strategie, um auf legalem Wege die Macht zu erringen. Dazu wendete er sich den armen Bevölkerungsschichten zu, die in Venezuela keine Repräsentation im politischen System hatten. Durch diese Unterstützung gelang es ihm, 1998 die Präsidentschaftswahl zu erringen. Sei erklärtes Ziel, die Armut in Venezuela auszurotten, gelang ihm jedoch in einer 15 Jahre andauernden Regierungszeit trotz des riesigen Erdölreichtums des Landes nicht. Venezuela konnte auch am großen Wirtschaftswachstum der Region Lateinamerika in den letzten 10 Jahren kaum teilhaben. Dennoch erzielte er große innenpolitische Erfolge und wurde immer wieder im Amt bestätigt.

Sein größter Misserfolg war das Referendum, in dem er 2007 seine unbegrenzte Wiederwahl durchsetzen wollte. Dies war bislang von der Verfassung verboten. Obwohl er in der Volksabstimmung keine Zustimmung erreichen konnte, gelang es ihm später durch verschiedene Dekrete diese unbegrenzte Wiederwahl zu ermöglichen.

Die politische Zukunft Venezuelas

Bislang ist es noch völlig unklar, wie die politische Zukunft Venezuelas aussehen wird. der Präsident hinterlässt ein sehr großes Machtvakuum. Vor seiner Abreise beauftragte Chávez den Vizepräsidenten Maduro mit den Amtsgeschäften. Allerdings ist es umstritten, ob er auch nach dem Tod die Regierung des Landes weiterführen kann. Dies liegt daran, dass es aufgrund der Krankheit des Präsidenten nicht zur Vereidigung kam, sodass es ungewiss ist, ob der gewählte Vizepräsident dennoch das Amt weiterhin ausführen kann oder ob Neuwahlen durchgeführt werden müssen.





© Harald Angles