Nachrichten aus Lateinamerika

Nordamerika




Internationaler Währungsfonds straft Argentinien ab

02.02.2013 Der Internationale Währungsfonds (IWF) ergreift Maßnahmen gegen Argentinien, da die Regierung nach Ansicht der Organisation beschönigte Wirtschaftsdaten vorlegt. In der Geschichte des IWFs ist es das erste Mal, dass derartige Maßnahmen ergriffen werden.

Beschönigte Statistiken über die Inflation und das Wachstum

Bereits seit mehreren Jahren herrscht eine große Unstimmigkeit über die Höhe der Inflation in Argentinien. Nach offiziellen Angaben betrug der Inflationsindex in den letzten Jahren zwischen acht und zehn Prozent, was bereits ein beachtlicher Wert ist. Nach den Ergebnissen unabhängiger Forschungsinstitute betrug dieser Wert jedoch etwa das Dreifache. Die Regierung reagierte auf die Veröffentlichungen mit einem Verbot und hohen Strafen. Seitdem können lediglich die Oppositionsparteien im Parlament die Werte der Forschungsinstitute veröffentlichen, da die Abgeordneten von der Verfassung geschützt werden. Einer der wesentlichen Kritikpunkte bei den Massenprotesten gegen die Regierung im letzten Jahr war die hohe Inflation.

Doch nicht nur die Opposition im eigenen Land geht davon aus, dass die Werte beschönigt sind, auch der Internationale Währungsfonds reklamiert bereits seit Jahren, dass die veröffentlichten Ergebnisse nicht der Realität entsprechen. Dabei wird neben dem Wert für die Inflation auch die Angabe über das Bruttoinlandsprodukts kritisiert. Argentinien reagierte auf die Kritik durch den IWF, indem es keine Beobachter mehr zulässt. Nachdem bereits mehrere Ultimaten ergebnislos verstrichen sind, reagierte der Währungsfonds heute mit einem offiziellen Tadel.

Die Auswirkungen des Tadels

Die Maßnahme die heute vom IWF gegen Argentinien ergriffen wurde, wird als letzte Warnung eingestuft. Bislang hat die Institution noch niemals einen offiziellen Tadel gegen ein Mitgliedsland ausgesprochen. Dennoch werden noch keine konkreten Maßnahmen ergriffen, da dem Land am Río de la Plata noch eine Frist bis zum 29. September 2013 eingeräumt wurde.

Am 13. November soll nochmals überprüft werden, ob die Statistiken in diesem Zeitraum verbessert wurden. Wenn dies nicht der Fall sein sollte, droht Argentinien die Verweigerung der internationalen Kredite. Wenn auch diese Maßnahme keinen Erfolg bringen sollte, könnte Argentinien sein Stimmrecht verlieren und schließlich ganz aus der Organisation ausgeschlossen werden.

Die Reaktion der Regierung

Die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner nahm zu dem Tadel über Twitter Stellung. Dabei kritisierte Sie den IWF aufgrund seiner Rolle in der argentinischen Wirtschaftskrise von 2001 und in der internationalen Finanzkrise 2008.

Die argentinische Präsidentin erhob schwere Vorwürfe gegen die Führungsebene des IWFs und sagte, dass diese Maßnahmen gegen sich selbst ergreifen sollten, anstatt gegen Argentinien.





© Harald Angles