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11. September 1973 - Militärputsch in Chile

12.09.2013 Am 11. September gedachte die Weltgemeinschaft auch dieses Jahr der Terroranschläge in New York. Doch auch für Lateinamerika hat dieses Datum eine ganz besondere Bedeutung. 28 Jahre vor diesem Ereignis stürmte das chilenische Militär mit Unterstützung aus den USA an diesem Tag den Palast des chilenischen Präsidenten und setzte diesen ab. Augusto Pinochet konnte so die politische Führung des Landes erringen und richtete eine der blutigsten Militärdiktaturen des Kontinents ein. Dieses Datum sollte nicht nur die Geschichte Chiles nachhaltig prägen, es veränderte auch die gesamte Region.

Salvador Allende - demokratisch gewählter Präsident Chiles

Salvador Allende - Chilenischer Präsident 1970-1973
Salvador Allende
Quelle: Wikimedia Commons

Salvador Allende wurde bereits während seines Medizinstudiums in verschiedenen Linksgerichteten Gruppen aktiv. Mit nicht einmal dreißig Jahren wurde er bereits Parlamentsabgeordneter. Ein Jahr nach seinem Eintritt in das Parlament wurde er Gesundheitsminister - allerdings nur für eine Zeit von zwei Jahren.

Ab 1952 ließ er sich immer wieder als Präsidentschaftskandidat aufstellen - allerdings mit geringem Erfolg. 1970 konnte er dann jedoch überraschend die Mehrheit gewinnen. Zwar wählten ihn nur 37 Prozent der Bevölkerung, doch war dies bei dieser Wahl das beste Ergebnis aller Kandidaten. Das bürgerliche Lager war siegessicher mit zwei unterschiedlichen Kandidaten angetreten - mit einem Vertreter der konservativen Partei und einem Kandidaten der Christdemokraten. Da nach dem chilenische Wahlrecht jedoch die einfache Mehrheit genügte, war damit Allende zum Präsidenten gewählt - ohne jedoch eine Mehrheit im Parlament zu besitzen.

Die Regierung Allendes verstaatliche viele Betriebe in Chile, was auf die entschiedene Ablehnung durch Industrielle und Konservative stieß. Auch die USA sahen diese Entwicklung mit großem Misstrauen und nahmen eine entschiedene Position gegen die Regierung Allendes ein.

Die Regierung Allendes sah sich großen Problemen ausgesetzt. Im Inneren hatte sie keine parlamentarische Mehrheit und außerdem setzten die USA eine riesige Propagandamaschine in Gang, um die ungeliebte Regierung bei der eigenen Bevölkerungin Misskredit zu bringen. Darüber hinaus konnte die Regierung auch keine wirtschaftlichen Erfolge vorzeigen. Der Boykott durch viele westliche Staaten traf Chile schwer, sodass sich die Lebenssituation vieler Menschen verschlechterte.

Der Putsch unter Pinochet

Augusto Pinochet - Chilenischer Diktator
Augusto Pinochet
Quelle: Wikimedia Commons

Im Jahre 1973 war es bereits vor dem Schlag der Truppen Pinochets zu einem Militärputsch gekommen. Dieser wurde jedoch von der Regierung niedergeschlagen. Am 11. September sah sich das Militär jedoch schließlich in der Lage dazu, die Regierung zu stürzen - unter anderem auch durch die massive Unterstützung durch die USA.

An diesem Tag stürmte das Militär den Präsidentenpalast. Allende beging währenddessen im Inneren Selbstmord. Die Aktion war sehr gut geplant und die Militärs konnten innerhalb weniger Stunden alle wichtigen Stellen des Landes unter ihre Gewalt bringen. Bei dem Militärschlag kamen mehrere Hundert Menschen ums Leben, viele Tausend wurden von der neuen Militärregierung inhaftiert.

Mit diesem Schlag begann in Chile eine Schreckensherrschaft, in der viele Tausend politische Gegner und auch unbeteiligte Personen gefoltert und ermordet wurden. Tausende Chilenen gingen in dieser Zeit ins Exil.

Der Militärputsch in Chile war eines der am häufigsten diskutierten Ereignisse dieser Zeit. Insbesondere die Beteiligung der USA - die zu dieser Zeit noch geleugnet wurde aber mittlerweile durch die Offenlegung der Archive belegt ist - sorgte für viel Diskussionsstoff. Nicht zuletzt diente die Regierung Pinochets auch vielen weiteren Ländern Südamerikas als Vorbild, um eine menschenverachtende Gewaltherrschaft einzurichten.

Gedenken an den Jahrestag

In Chile wurde der Jahrestag an den blutigen Militärputsch mit vielen Gedenkveranstaltungen begangen. Viele Überlebende der Foltereinrichtungen - unter anderem die Ex-Präsidentin und aktuelle Präsidentschaftskandidatin Michelle Bachelet - versammelten sich, um den Opfern zu gedenken.

Am Abend kam es jedoch in Santiago zu vielen gewaltsamen Ausschreitungen. Es kam zu Straßensperren und zahlreiche Fahrzeuge wurden angezündet. Unbekannte attackierten die Polizei mit Molotow-Cocktails und Schusswaffen.





© Harald Angles