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Knapper Wahlausgang sorgt für ungewisse Zukunft in Venezuela

15.04.2013 Venezuela hat gestern gewählt. Das Ergebnis brachte einen denkbar knappen Wahlausgang, der die Zukunft des Karibikstaates sehr ungewiss macht. Die Oppositionspartei erkennt das Ergebnis der Wahl bislang nicht an. Nach dem vorläufigen Ergebnis konnte Maduro 50,66 Prozent der Stimmen erringen, sein Herausforderer Capriles hingegen 49,07 Prozent. Zahlreiche Anzeigen wegen Unregelmäßigkeiten bestimmten den gestrigen Wahltag. Capriles fordert nun eine Neuauszählung der Stimmen.

Capriles fordert eine erneute Auszählung aller abgegebener Stimmen

"Der Verlierer hier sind Sie und Ihre Regierung", sagte Capriles zum neu gewählten Präsidenten. Aufgrund der minimalen Differenz zwischen den beiden Kandidaten und den 3.200 Anzeigen, die wegen Unregelmäßigkeiten bei der Wahlbehörde gestellt wurden, forderte Capriles nun eine erneute Auszählung der Stimmen.

In verschiedenen Medien wurde bekanntgegeben, dass Capriles einen Pakt mit Maduro geschlossen habe, nach dem er die neue Regierung anerkennen sollte. Dem Widersprach Capriles heftig. Er sagt, er verhandle weder mit der Lüge noch mit der Korruption. Er bekräftigte, dass er das Ergebnis, das aufgrund der hohen Unregelmäßigkeiten bei der Stimmabgabe zustande gekommen sei und dennoch nur einen minimalen Vorsprung für den Regierungskandidaten ausdrücke, nicht für legitim halte. Daher besteht der Oppositionskandidat auf eine erneute Asuzählung aller abgegebener Stimmen.

Viele der Anzeigen hinsichtlich der Unregelmäßigkeiten beziehen sich darauf, dass Regierungsvertreter einige Bürger bis in die Wahlkabinen begleiteten und dort die Stimmabgabe für Maduro veranlassten. Im Internet kursieren bereits viele Videos, auf denen derartige Vorgänge aufgezeichnet wurden.

Maduro weist Vorwürfe zurück

Der Regierungskandidat Nicolás Maduro, der nach dem bisherigen Ergebnis Präsident des Landes werden soll, wies die Vorwürfe umfassend zurück. Er sagte, es handle sich um einen gerechten, legalen und verfassungsgemäßen Wahlsieg.

Maduro erwiderte die Anschuldigungen hinsichtlich des nicht regulären Ablaufs der Wahl mit schweren Anschuldigungen gegen seinen Herausforderer. Er sagte, es gebe eine internationale Operation um die Demokratie in Venezuela zu attackieren. Er kündigte an, trotz dieser Angriffe das offiziell verkündete Wahlergebnis als Grundlage seiner Regierung zu betrachten. Er kündigte jedoch an, dem Wunsch der Opposition nachzugehen, und die Stimmen erneut auszuzählen.

Venezuela steht vor einer ungewissen Zukunft

Die Zukunft des südamerikanischen Landes stellt sich aufgrund des uneindeutigen Wahlausgangs sehr ungewiss dar. Das Land steht trotz seiner riesigen Erdölvorkommen vor großen wirtschaftlichen Problemen. Die einheimische Industrie und die Landwirtschaft können bereits seit vielen Jahren die Nachfrage im Land nicht mehr befriedigen. Industrielle Produkte und Nahrungsmittel müssen aus dem Ausland importiert werden. In vielen Bereichen besteht jedoch ein großer Mangel, da die Gewinne aus dem Erdöl nicht für den Import der notwendigen Güter ausreichen. Zu dieser sehr schwierigen wirtschaftlichen Situation kommt nun auch noch eine politische Krise. Selbst wenn die Opposition den verkündeten Sieg Maduros anerkennen sollte, so bleibt dennoch das Problem, dass die Gesellschaft sehr gespalten ist. Auch die große Zahl der gemeldeten Unregelmäßigkeiten und der knappe Vorsprung des Gewinners sorgen dafür, dass ein großer Teil der Bevölkerung die Regierung als nicht rechtmäßig anerkennen wird.







© Harald Angles