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2. Oktober 1968 - Das Massaker von Tlatelolco

03.10.2013 Gestern jährte sich eines der traurigsten Ereignisse in der lateinamerikanischen geschichte zum 45. Mal. Am 2. Oktober 1968 eröffnete das mexikanische Militär das Feuer auf einen Protestzug, an dem tausende Studenten teilnahmen. Bis heute ist die genaue Anzahl der Opfer ungeklärt, die Schätzungen bewegen sich jedoch zwischen 200 und 1.500 Todesopfern, die die gewaltsame Militäraktion mit sich brachte.

Die Vorgeschichte

Gustavo Díaz Ordaz - ehemaliger mexikanischer Präsident
Gustavo Díaz Ordaz
Quelle: Wikimedia Commons

Wie in den meisten Teilen der Welt waren auch in Mexiko die späten sechziger Jahre von einer weitreichenden Emanzipation junger Studenten geprägt. In Mexiko wurde die Lage dadurch verschärft, dass die Regierung zwar offiziell in freien Wahlen gewählt wurde, dass das Land zu diesem Zeitpunkt jedoch erhebliche demokratische Defizite aufwies. Beispielsweise war die freie Meinungsäußerung stark eingeschränkt und Oppositionellen wurden viele Grundrechte verweigert. Daher bestand in Mexiko ein besonders hohes Konfliktpotenzial. Der damalige Präsident Gustavo Díaz Ordaz war jedoch nicht bereit, auf die Forderungen nach mehr Demokratie und Freiheit einzugehen. Bereits vor dem Massaker von Tlatelolco wurde vielen Proteste mit einem gewaltsamen Vorgehen von Militär und Polizei begegnet.

Die Situation wurde auch durch die bevorstehenden Olympischen Spiele verschärft. Diese fanden ab dem 12. Oktober in Mexiko-Stadt statt. Die politische Führung des Landes war darauf bedacht, dass die Spiele nicht durch die Unruhen im eigenen Land gestört werden und wollte daher alle Proteste vor dem Beginn der Spiele beenden.

Gewaltsame Niederschlagung der Studentenproteste

Panzer beim Einsatz gegen Studentenproteste
Panzer beim Einsatz gegen Studenten
Quelle: Wikimedia Commons

Am Nachmittag des 2. Oktobers begannen sich mehrere Tausend Studenten auf der Plaza de las Tres Culturas in Tlatelolco zu versammeln. Die Lage war von Anfang an angespannt. Das Militär fuhr in der Umgebung Panzer auf und unterwanderte die Proteste mit zahlreichen in zivil gekleideten Geheimdienstmitarbeitern.

Der Genaue Auslöser des Massakers ist bislang noch nicht eindeutig geklärt. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass es sich um eine geplante Aktion handelte. Scharfschützen des Geheimdienstes eröffneten gegen sechs Uhr das Feuer auf die Studenten. Dabei schossen sie jedoch auch auf das Militär, das sich in der Umgebung befand. Damit sollten die Soldaten in den Glauben versetzt werden, dass die Angriffe von den Studenten kamen und zu einem Eingreifen verleitet werden. Diese Taktik hatte Erfolg, sodass die Studenten sowohl vom Geheimdienst als auch vom Militär angegriffen wurden. Es ist bislang noch nicht klar, wie viele Opfer es zu beklagen gab. Die Regierung sprach von lediglich 20 Todesfällen, glaubwürdigere Quellen sprechen jedoch von 200-300 Opfern. Es gibt sogar einige Zeugen, die von über Tausend Toten sprechen.

Auch gegen die Überlebenden wurde hart vorgegangen. Tausende junge Menschen wurden durch die Straßen der Stadt gejagt und verhaftet. Die Festgenommenen wurden ausgezogen, verprügelt und anschließend in verschiedene Gefängnisse transportiert. Den Reportern, die vor Ort waren, wurden alle Filme entzogen, um die Beweise zu vernichten.

Gedenken an den Jahrestag

Aufgrund der Vertuschungsmaßnahmen fand das Massaker keine große internationale Beachtung. Nur zehn Tage später wurden die Olympischen Spiele unter dem Motto "Die Spiele des Friedens" vom Präsidenten eröffnet.

Doch bis heute sind die Ereignisse des 2. Oktobers in Mexiko sehr präsent. Auch gestern zogen viele verschiedene soziale Gruppen zu dem Ort, an dem das Massaker stattgefunden hat und gedachten der Toten.





© Harald Angles