Nachrichten aus Lateinamerika

Nordamerika




Chinesische Firma soll Nicaragua-Kanal erstellen

06.06.2013 Die Regierung des Staates Nicaragua erstellte heute einen Gesetzentwurf, der eine chinesische Firma mit dem Bau und dem Betrieb des geplanten Nicaragua-Kanals beauftragt. Damit rückt der Baubeginn für das geplante Großprojekt immer näher.

Die Pläne für den Nicaragua-Kanal

Bereits vor mehreren Jahrhunderten entwickelten die spanischen Eroberer in Mittelamerika den Plan, einen Kanal durch Nicaragua zu bauen. Zwar ist die zentralamerikanische Landbrücke hier relativ breit, doch könnte der Kanal durch den riesigen Nicaragua-See geleitet werden, sodass ein erheblicher Teil der Strecke nicht neu erstellt werden muss. Dennoch wurden die Pläne niemals verwirklicht. Als zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts der Panama-Kanal gebaut wurde, wurden die Bestrebungen zur Errichtung des Nicaragua-Kanals vollkommen eingestellt.

Da jedoch der Panamakanal nur für relativ kleine Schiffe geeignet ist, kamen in den letzten Jahrzehnten erneut Überlegungen auf, einen neuen Kanal zu errichten. 2012 entschied sich das Parlament Nicaraguas schließlich, den Kanal zu bauen. Der neue Kanal soll für Schiffe mit einem Gesamtgewicht von bis zu 250.000 Tonnen geeignet sein. Im Vergleich zum Panama-Kanal, der lediglich für Schiffe mit einem Gewicht von bis zu 65.000 Tonnen geeignet ist, stellt dies einen erheblichen Fortschritt dar. Der Kanal soll eines der größten Infrastrukturprojekte Lateinamerikas werden.

Umsetzung durch eine chinesische Firma

Eines der größten Probleme bei der Umsetzung des Projekts war die Suche nach einem geeigneten Investor und einer Firma, die die Bauarbeiten umsetzen kann. Die Investition übersteigt die gesamte Wirtschaftsleistung Nicaraguas um ein Vielfaches und kann von dem kleinen und armen Land nur schwer alleine umgesetzt werden.

Die Konzessionen, die es ermöglichen, die Mautgebühren zu erheben, sollen nach dem Gesetzentwurf für die Dauer von 50 Jahren an das Unternehmen HK Nicaragua Canal Development Investment Co. (HKC) mit Sitz in Hong Kong vergeben werden. Das Unternehmen hat außerdem einseitig das Recht, den Vertrag um weitere 50 Jahre zu verlängern. Der Bau soll vom nicaraguanischen Unternehmen Empresa Desarrolladora de Grandes Infraestructuras SA (EDGI) durchgeführt werden, das sich jedoch vollständig in der Hand einer Tochtergesellschaft des HKC-Konzerns befindet.

Kritiker des Gesetzentwurf bemängeln, dass die Asugleichszahlungen von jährlich 10 Millionen US-Dollar, die das Unternehmen an den nicaraguanischen Staat bezahlen muss, zu gering seien. Außerdem wird kritisiert, dass die Regierung in hohem Maße Souveränitätsrechte an ein privates Unternehmen abtrete.





© Harald Angles