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Hunderttausende Brasilianer gehen auf die Straße

20.06.2013 Die Situation in Brasilien wird immer angespannter. Die Proteste, die sich vor etwa einer Woche aufgrund einer Fahrpreiserhöhung für die Busse in São Paulo entwickelten, haben sich mittlerweile auf das ganze Land ausgeweitet und auch die Motive sind deutlich vielfältiger geworden.

Proteste in vielen Städten - Aber was sind die Ziele?

Zunächst waren die Proteste eine Kundgebung gegen die Fahrpreiserhöhung in São Paulo. Diese Maßnahme betraf in erster Linie die untere Mittelschicht, die täglich mit dem Bus zur Arbeit fahren muss und die einen beträchtlichen Teil ihres Einkommens für die Fahrkarten aufbringen muss.

Die Demonstrationen weiteten sich kurz danach jedoch auf viele andere Städte des Landes aus. Auch die Motive wurden deutlich vielfältiger. Mittlerweile wurde die Fahrpreiserhöhung in vielen Städten zurückgenommen, die Kundegebungen halten jedoch an. Insbesondere die Ausrichtung der WM 2014 rückte nun in den Mittelpunkt der Demonstranten. Brasilien ist zwar ein unheimlich fußballbegeistertes Land und die Ausrichtung der WM erfüllt viele Bürger mit Stolz. Die Probleme liegen jedoch in den unheimlichen Kosten, die damit verbunden sind. Die hohe Korruption, die insbesondere bei der Vergabe öffentlicher Bauaufträge herrscht, sorgt dafür, dass die Ausgaben für die Stadien und die Infrastrukturmaßnahmen riesig sind. Auf der anderen Seite wird für Bildung und Gesundheit immer weniger Geld ausgegeben. Trotzt der Begeisterung über die WM 2014 sind daher immer mehr Menschen zu dem Schluss gekommen, dass die Umsetzung der Weltmeisterschaft einen erheblichen Schaden im Land anrichten kann.

Ein Ende der Proteste ist nicht in Sicht

Der eigentliche Auslöser - die Fahrpreiserhöhung - ist mittlerweile in den meisten Städten zurückgenommen worden. Dennoch werden die Proteste fortgesetzt und gewinnen sogar an Intensität. Für den heutigen Tag wird insbesondere in den sozialen Netzwerken erneut für die Kundegebungen geworben. Es sollen bereits mehr als 1 Millionen Facebook-Nutzer ihre Teilnahme angekündigt haben. Daher ist auch heute wieder mit schweren Auseinandersetzungen zu rechnen.

Obwohl weite Teile der Bevölkerung die Proteste gegen die Korruption und die staatliche Misswirtschaft unterstützten, sorgt die zunehmende Gewalt bei den Kundgebungen für immer mehr Probleme. Es kam bereits zu Plünderungen und anderen gewalttätigen Auseinandersetzungen, die mit den eigentlichen Zielen der Demonstranten nichts mehr zu tun haben.





© Harald Angles