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Venezuela vor der Wahl: gegenseitige Anschuldigungen bestimmen das Bild

11.04.2013 Am Sonntag finden in Venezuela Präsidentschaftswahlen statt. Da der gewählte Präsident Hugo Chavez verstorben ist, kommt es nach nur wenigen Monaten zu einer erneuten Wahl. Dabei stehen sich der gewählte Vizepräsident und aktuelle Übergangspräsident Nicolás Maduro und der im Oktober unterlegene Chávez-Herausforderer Henrique Capriles gegenüber.

Kandidaten beklagen sich über ungerechte Ausgangsbedingungen

Bereits seit dem Beginn des Wahlkampfs beklagt sich der Herausforderer Capriles über ungleiche Asugangsbedingungen. Der in Venezuela sehr mächtige staatliche Rundfunk habe sich ausschließlich der Propaganda für Maduro verschrieben. In mehreren Stellungnahmen beklagte er sich, dass der Übergangspräsident hohe Summen an Steuergeldern für seine Kampagne verwende.

Auch auf der anderen Seite bleiben die Anschuldigungen nicht aus. Maduro sagte gestern, dass die bürgerlichen Medien die Erfolge der venezolanischen Revolution konsequent verschleiern. Er beklagte sich über die große Präsenz, die sein Herausforderer in den Medien habe. In seinem Wahlkampf bezieht er sich in erster Linie auf die Erinnerung an den verstorbenen Präsidenten Chávez, der ihm - so sagte er vor einigen Tagen - in Form eines Vogels erschienen sei und ihm Weisungen für die Zukunft des Landes erteilt habe.

Die Umfragen zeichnen kein einheitliches Bild

Als die Neuwahlen angekündigt wurde, sahen alle Umfrageergebnisse Maduro bereits als klaren Sieger. Die Trauer im venezolanischen Volk nach dem Krebstod des Präsidenten war so groß, dass es für Maduro sehr einfach erschien, dieses Potenzial auszuschöpfen und in einen deutlichen Wahlsieg zu verwandeln. Mittlerweile kann Capriles jedoch etwas positiver auf die Wahl am Sonntag blicken. Am letzten Wochenende wurden neue Werte veröffentlicht, bei denen zwar nicht konkret nach der persönlichen Stimmabgabe gefragt wurde, bei der jedoch die Mehrheit der Befragten in den wichtigen Bereichen der Sicherheit und des Wohlstands dem Herausforderer höhere Kompetenzen einräumten.

Einflüsse aus dem Ausland

Die Wahl in Venezuela sorgt nicht nur im eigenen Land für Schlagzeilen. Auch im Ausland gibt es Versuche, die Wahl zu beeinflussen. So traf beispielsweise der weltbekannte Fußballspieler Diego Maradona aus Argentinien in Venezuela ein, um die Kandidatur Maduros zu unterstützen. In Spanien hingegen veröffentlichte die Tageszeitung ABC ein Dokument, das angeblich aus dem direkten Umfeld Maduros stammt. Darin wird ein Mangel an Produkten für die Grundversorgung und eine Hyperinflation prognostiziert. Das eigene Lager der Chavisten spricht demnach von einer "ökonomischen Atombombe".







© Harald Angles