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Umstrittenes Präsidentschaftswahlen in Honduras

25.11.2013 Gestern wurde in Honduras ein neuer Präsident gewählt. Nach der Wahl erklärten sich jedoch zwei verschiedene Kandidaten zum Wahlsieger. Das offizielle Wahlergebnis liegt zwar noch nicht vor, doch liegt nach den aktuellen Hochrechnungen der Wahlbehörden der konservative Kandidat deutlich vorne. Diese Situation kann die Situation im politisch tief gespaltenen Land noch weiter verschärfen.

Castro erklärt sich zunächst als Wahlsiegerin

Bereits kurz nach der Wahl erklärte sich die Herausforderin Xiomara Castro zur Gewinnerin und somit zur zukünftigen Präsidentin des Landes. Bei dieser Kandidatin handelt es sich um die Ehefrau des ehemaligen Präsidenten Manuel Zelaya, der 2009 gewaltsam aus dem Amt entfernt wurde. Dieser gilt als die treibende Kraft im Hintergrund der Kandidatin.

Bei der Erklärung, die die Kandidatin abgab, stützte sie sich allerdings nur auf Befragungen, die ihre eigene Partei in einigen Bezirken nach der Stimmabgabe durchgeführt hat.

Auch Hernández erklärt sich zum Sieger

Kurze Zeit später erklärte sich auch der konservative Kandidat Juan Orlando Hernández zum Sieger der Wahlen. Dieser stützte sich auf die vorläufigen Ergebnisse der Stimmauszählung. Nachdem etwa die Hälfte der abgegebenen Stimmen ausgezählt waren, erreichte der Parteikollege des aktuellen Präsidenten 34,15 Prozent. Damit hat er einen deutlichen Vorsprung vor Castro, die in den offiziellen Hochrechnungen 28,45 Prozent erhielt.

Der ehemalige Präsident Zeleyla meldete sich nach dieser Erklärung zu Wort. Dabei zweifelte er die offiziellen Wahlergebnisse an und sagte, dass seine Ehefrau die Gewinnerin der Wahl sei. Des Weiteren verkündete er, dass die Regierung seiner Partei den Wahlsieg stehlen wolle. Internationale Beobachter vermeldeten bislang jedoch keine Unregelmäßigkeiten bei der Stimmabgabe.

Nachwehen des Staatsstreichs 2009

Die Wahl stand unter großen Einfluss des Staatsstreichs, in dem im Jahre 2009 der Ehemann der Kandidatin Castro und damalige Präsident Manuel Zelaya aus dem Amt entfernt wurde. Dieser wurde 2005 als liberaler Kandidat zum Präsidenten gewählt. Kurze Zeit später vollführte er jedoch einen radikalen Wandel in seiner Politik durch und näherte sich stark an Venezuela und Kuba an. Dies führte dazu, dass sich viele seiner einstigen Unterstützer von ihm abwandten. Im Jahre 2009 führte er ein Referendum durch, mit dem er erreichen wollte, dass er erneut zur Präsidentschaftswahl antreten kann. Dies war bislang durch die Verfassung verboten. Diese umstrittene Abstimmung wurde von konservativen und liberalen Kräften verhindert und der Präsident wurde dabei abgesetzt.

Dieser Vorgang hat die politischen Lager in Honduras tief gespalten. Das Misstrauen, das die verschiedenen Lager ihrem jeweiligen politischen Gegner entgegenbringen, ist sehr stark. Dies führt auch dazu, dass derartige unterschiedliche Interprätationen der Wahlergebnisse zustande kommen. Die Zukunft des von Gewalt und Armut geprägten Landes wird auf diese Weise noch ungewisser.





© Harald Angles