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Bürgerwehr soll ihre Waffen abgeben

14.01.2014 In vielen Gebieten Mexikos haben sich vor einiger Zeit Bürgerwehren gebildet, um gegen die Gewalt der Drogenkartelle vorzugehen. Diese Organisationen wurden einige Zeit geduldet, nun geht die Regierung jedoch verstärkt gegen sie vor. Der Staatssekretär Miguel Ángel Osorio Chong forderte die Gruppierungen auf, ihre Waffen abzulegen und ihren gewöhnlichen Tätigkeiten nachzugehen. In einigen Städten geht die Armee bereits gegen die Vereinigungen vor, um den Forderungen der Regierung Nachdruck zu verleihen.

Bürgerwehren gegen Drogenkartelle

Die Drogenkartelle sorgen in Mexiko bereits seit vielen Jahren für eine sehr hohe Gewalt und für viele Tote. Die Regierung ist offensichtlich nicht in der Lage, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Nach dem letzten Regierungswechsel schlug der neue Präsident Peña Nieto zwar eine härtere Gangart ein, indem er im Drogenkrieg auf das Militär setzte, doch brachte auch diese Taktik nur wenig Erfolg. Die Kämpfe fordern zahlreiche Todesopfer und führen dazu, dass Mexiko eines der unsichersten Länder der Erde ist. Insbesondere die Zivilbevölkerung leidet unter diesen Umständen, da auch sehr häufig unbeteiligte Bürger Opfer der Gewalt werden.

Im Bundesstaat Michoacán führte diese Entwicklung dazu, dass sich viele Bürger selbst den Kriminellen zur Wehr setzten. Sie bildeten Bürgerwehren, die schwer bewaffnet und ohne sich an die gesetzlichen Einschränkungen bei der Verbrechensbekämpfung zu halten, gegen die Drogenkartelle vorgehen. Ihr erklärtes Ziel ist es, die organisierte Kriminalität vollständig auszurotten und alle Anführer ins Gefängnis zu bringen. In vielen Städten des Bundesstaates haben sie die Kontrolle übernommen und die regulären Polizeieinheiten ins Abseits gedrängt.

Regierung sagt den Bürgerwehren den Kampf an

Die Regierung reagierte auf dieses neue Phänomen zunächst nicht. Nun forderte sie jedoch die bewaffneten Gruppierungen dazu auf, ihre Tätigkeit einzustellen. Dabei stellte sie gestern einen Plan vor, mit dem sie selbst die Sicherheit im betroffenen Bundesstaat herstellen will. Dabei sollen Einheiten der Bundespolizei und der Armee in das Gebiet verlegt werden, um die Kriminellen zu bekämpfen. Außerdem wurden weitere Maßnahmen für die Erhöhung der Sicherheit vorgestellt. Diese Pläne wurden mit der Aufforderung an die Bürgerwehren verbunden, sich zurückzuziehen.

Die Einheiten der Selbstverteidigungs-Organisationen wiesen diese Forderung jedoch umgehend zurück. Deren Führer sagten, dass sie sich erst zurückziehen werden, wenn die Anführer der kriminellen Organisationen hinter Gittern seien. Ein Sprecher sagte außerdem, dass die Regierung zunächst selbst gegen die Kriminellen vorgehen solle, um die Effizienz der Maßnahmen zu beweisen. Wenn diese die Sicherheitslage verbessert haben, würden die Bürgerwehren gerne ihre Waffen ablegen.

Die Regierung bekräftigte jedoch nochmals die Forderung, die Verbände zu entwaffnen. Aus diesem Grund ging in einigen Ortschaften die Armee gegen die Bürgerwehr vor, um diese zu entwaffnen und um auf diese Weise der Aufforderung Nachdruck zu verleihen.





© Harald Angles