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Stichwahlen in Brasilien notwendig

06.10.2014 In Brasilien fand gestern die erste Runde der Präsidentschaftswahlen statt. Da dabei keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreichen konnte, wird in drei Wochen eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen stattfinden.

Amtsinhaberin mit dem besten Wahlergebnis

Die meisten Stimmen konnte im ersten Wahlgang die Amtsinhaberin Dilma Rousseff erreichen. Etwa 43,3 Millionen Wähler entschieden sich für sie, was einem Anteil von 41,58 Prozent entspricht. Insbesondere im Norden des Landes konnte die Amtsinhaberin viele Wähler überzeugen. In den meisten Bundesstaaten in dieser Region gewann sie die absolute Mehrheit.

Überraschung auf dem zweiten Platz

Zu einer Überraschung kam es hinsichtlich des zweitplatzierten Kandidaten. Während die meisten Umfragen lange Zeit eine knappe Entscheidung zwischen Rousseff und der Sozialistin Marina Silva vorhersagten, kam es erst kurz vor der Stimmabgabel zu einer Änderung der Werte. Bei der Wahl konnte schließlich der Sozialdemokrat Aécio Neves den zweiten Platz erringen. Er erhielt 33,55 Prozent der Stimmen und damit deutlich mehr als Silva, die lediglich auf 21,32 Prozent kam und damit nicht an der Stichwahl teilnehmen wird.

Neves konnte in erster Linie im Süden und im Zentrum des Landes viele Stimmen sammeln. Besonders wichtig war dabei, dass er in São Paulo - dem bevölkerungsreichsten und wirtschaftsstärksten Staat des Landes - eine sehr deutliche Mehrheit erringen konnte.

Offenes Ergebnis bei der Stichwahl

Obwohl die amtierende Präsidentin bei der gestrigen Wahl einen klaren Vorsprung von etwa acht Prozent erreichen konnte, ist das Ergebnis der Stichwahl nur schwer vorherzusagen. Dies liegt daran, dass die drittplatzierte Bewerberin politisch deutlich näher bei Neves zu verorten ist.

In einer Rede nach dem Wahlausgang sagte Silva, dass sich die Wähler eindeutig einen Regierungswechsel entschieden haben. Die Opposition habe etwa 60 Prozent der Stimmen erreicht, was klar belege, dass es zu einem Wechsel kommen muss. Diese Erklärung legt nahe, dass sie bei der Stichwahl den zweitplatzierten Kandidaten unterstützen wird, was dessen Chancen, im zweiten Wahlgang die Präsidentschaft zu erringen, erheblich steigert.





© Harald Angles