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Wahlen in zwei südamerikanischen Staaten

27.10.2014 Der gestrige Sonntag war in zwei südamerikanischen Staaten durch wichtige Wahlen geprägt. Zum einen fand in Brasilien - dem größten Land Lateinamerikas - die Stichwahl zur Ermittlung des Präsidenten statt. In Uruguay wählten die Bürger ebenfalls einen neuen Präsidenten - allerdings wird es auch hier zu einer Stichwahl kommen. Darüber hinaus entschieden die Wähler hier über die neue Zusammensetzung beider Parlamentskammern.

Knapper Sieg für Amtsinhaberin Dilma Rousseff

In Brasilien konnte die bisherige Präsidentin mit äußerst knapper Mehrheit ihr Amt verteidigen. Sie erhielt nach dem bisherigen Ergebnis 51,64 Prozent der Stimmen, während der sozialdemokratische Herausforderer mit 48,36 Prozent unterlag. Das knappe Ergebnis bringt zwar zum dritten Mal in Folge die Arbeiterpartei an die Macht, doch ist es das schlechteste Abschneiden der Regierungspartei in den letzten zwölf Jahren. Der Abstand zwischen den beiden Kandidaten war bei kaum einer Wahl zuvor derart gering. Viele Beobachter sprechen von einer tiefen Spaltung des brasilianischen Volks.

Die wiedergewählte Präsidentin rief nach ihrer Wahl daher das Volk zuerst zur Einheit auf. Gleichzeitig kündigte sie an, dass sie mehrere Reformen im Land durchführen wolle. An erster Stelle stehe dabei die Reform der Politik.

Keine deutlichen Mehrheiten in Uruguay

Der Ausgang der Wahlen in Uruguay ist bislang noch ungewiss. Bislang basieren die Erkenntnisse auf Befragungen unabhängiger Meinungsforschungsinstitute. Die offiziellen vorläufigen Ergebnisse sollen erst im Laufe des Tages veröffentlicht werden. Klar scheint aber bislang dennoch, dass im ersten Wahlgang keiner der Präsidentschaftskandidaten die absolute Mehrheit erringen konnte. Der ehemalige Präsident und Kandidat der Regierungspartei Tabaré Vázquez hat mit etwa 46 bis 47 Prozent die meisten Stimmen auf sich vereinigen können. Der Herausforderer Luis Lacalle Pou hingegen kam auf etwa 33 Prozent. Obwohl der Unterschied dabei sehr groß wirkt, ist der Ausgang der Stichwahl am 30. November vollkommen offen. Dies liegt daran, dass der konservative Kandidat Pedro Bordaberry, der mit etwa 13 Prozent den dritten Platz erhielt und damit nicht zur Stichwahl antreten darf, nach der Wahl seine bedingungslose Unterstützung für den Kandidaten Lacalle Pou angekündigt hat. Zusammengenommen liegen die beiden Lager daher gleichauf.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei den Parlamentswahlen ab. Die Meinungsforscher sind sich bislang nicht einig, ob die Regierungspartei Frente Amplio ihre Mehrheit verteidigen konnte. In jedem Fall hat sie viele Stimmen eingebüßt und es ist nach aktuellem Stand wahrscheinlich, dass sie - für den Fall eines Wahlsiegs ihres Präsidentschaftskandidaten - eine Koalition mit einem weiteren Partner eingehen muss.





© Harald Angles