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Schweigemarsch für toten Staatsanwalt

19.02.2015 Der bislang nicht aufgeklärte Todesfall eines ranghohen Staatsanwalts bestimmt nach wie vor das politische Geschehen in Argentinien. Gestern - einen Monat nach seinem Tod - nahmen viele Tausend Menschen an Schweigemärschen im ganzen Land teil. Im Mittelpunkt stand dabei die Forderung nach der Aufklärung der Todesumstände. Jedoch wurden auch deutliche regierungskritische Stimmen laut.

Staatsanwälte rufen zu Kundgebung auf

Die Organisation der Kundgebung übernahm der Berufsverband der argentinischen Staatsanwälte. Ranghohe Vertreter dieser Organisation führten zusammen mit den Familienangehörigen Nismans den Zug an.

Darüber hinaus nahmen auch zahlreiche ranghohe Oppositionspolitiker an der Kundgebung teil. Allerdings hielten sie sich im Hintergrund, um die Veranstaltung nicht für politische Zwecke auszunutzen.

Die Organisatoren waren sehr darum bemüht, den Trauerzug nicht zu einer politischen Veranstaltung zu machen. Sie riefen die Teilnehmer dazu auf, während des Marsches zu schweigen. Es sollten keine politischen Botschaften ausgesendet werden, sondern lediglich die Forderung nach Aufklärung des Falls. Dennoch gab es viele Teilnehmer, die Spruchbänder mit Kritik an der Regierung mitführten. Laut Umfragen macht ein großer Teil der Bevölkerung die Regierung für den Tod des Staatsanwalts verantwortlich.

Die Aufklärung des Falls geht bislang nur sehr langsam voran. Außerdem kommt es zu vielen Widersprüchen und Ungereimtheiten. Dazu zählt beispielsweise, dass der Staatssekretär für die Sicherheit Sergio Berni am Tatort auftauchte, bereits bevor die Spuren gesichert waren. Außerdem verkündete die Präsidentin selbst immer wieder ihre Theorien zum Hergang der Tat, ohne jedoch Beweise dafür vorzulegen.

Widersprüchliche Angaben über die Teilnehmerzahl

Bemerkenswert ist es, dass die Schätzungen über die Teilnehmerzahl sehr weit auseinander gehen. Die Bundespolizei, die der Kontrolle der Regierung untersteht, zählte etwa 50.000 Teilnehmer. Die Polizei der Stadt Buenos Aires, die von einem Vertreter der Opposition regiert wird, registrierte hingegen 400.000 Demonstranten.

Die Kundgebung beschränkte sich nicht nur auf Buenos Aires. In allen größeren Städten des Landes gingen ebenfalls viele Tausend Menschen auf die Straße, um Aufklärung und Gerechtigkeit in diesem Fall zu fordern.





© Harald Angles