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Dreißig Jahre nach dem Falklandkrieg

02.04.2012 Heute jährt sich der Beginn des Falklandkriegs zum dreißigsten Mal. Dies soll zum Anlass genommen werden, um auf die Ereignisse zurückzublicken, die diese kriegerische Auseinandersetzung zwischen Argentinien und Großbritannien prägten. Zudem sollen die Gründe für diesen Konflikt betrachtet werden und ein Überblick darüber gegeben werden, welche Rolle die Inselgruppe im Südatlantik für die heutige Politik spielt.

Als Vorbemerkung soll auf den Namen der Inselgruppe eingegangen werden. Die Briten bezeichnen die Inseln als Falklands. Die spanische Bezeichnung für die Inseln lautet Malvinas. Verschiedene Autoren benutzen die verschiedenen Bezeichnungen oftmals, um ihre Verbundenheit zu einem der beteiligten Staaten zum Ausdruck zu bringen. In Argentinien wird beispielsweise der Begriff Falklands in vielen Kreisen nur sehr ungern vernommen. Hier soll dennoch der Begriff Falklands verwendet werden, jedoch nicht, um damit eine Sympathie gegenüber der britischen Position zum Ausdruck zu bringen, sondern einfach deswegen, weil dieser Begriff in Deutschland deutlich weiter verbreitet ist.

Die britische Eroberung der Falklands

Die Falklandinseln wurden 1592 vom britischen Seefahrer John Davis entdeckt, der jedoch nicht an Land ging. Erst 1690 betrat John Strong als erster Mensch die Inseln. Bis zur ersten Siedlung sollten jedoch noch viele Jahrzehnte vergehen. 1764 gründete Frankreich eine Siedlung auf der östlichen Insel, sie übergaben die Siedlung jedoch bereits 1766 an die Spanier. Im gleichen Jahr besiedelten die Briten die westliche Insel, blieben jedoch nur acht Jahre dort.

Seit dieser Zeit beanspruchten sowohl die Spanier als auch die Briten die Herrschaft über die Inselgruppe, ohne dieser Frage jedoch eine große Bedeutung beizumessen. Über viele Jahre hinweg wurde die Insel nicht besiedelt. Nach der Unabhängigkeit Argentiniens betrachtete sich das neugegründete Land als Nachfolger der spanischen Herrscher und beanspruchte daher auch die Herrschaft über die Inseln. Ab 1820 wurden die Inseln von verschiedenen Gruppen als Stützpunkt genutzt, eine dauerhafte Besiedlung fand jedoch nicht statt. 1829 ernannte Argentinien den französischen Kaufmann Louis Vernet zum Gouverneur der Inseln, der sich dort aus geschäftlichen Gründen aufhielt. Die Briten reagierten auf diese Besatzung, indem sie 1833 einen Flottenstützpunkt auf der Insel errichteten. Dennoch reklamiert Argentinien seit diesem Zeitpunkt die Souveränität über die Inseln.

Der Beginn der Auseinandersetzungen

1982 stand Argentinien unter einer Militärherrschaft. Die Militärs richteten eine Schreckensherrschaft ein, der viele Tausend Menschen zum Opfer fielen. Die wirtschaftliche Leistung des Landes ging während der Militärherrschaft immer weiter zurück. 1982 waren die Probleme kaum mehr zu übersehen und trotz der restriktiven Herrschaft kam es immer häufiger zu Unruhen in Argentinien. Die Militärregierung war nicht mehr in der Lage, die Proteste zu unterdrücken.

Um für eine höhere Zustimmung in der Bevölkerung zu erhalten, setzten die Machthaber auf die nationalen Gefühle der Argentinier. Argentinien fasst die Insel als Teil seines Staatsgebietes auf und lässt kaum eine Möglichkeit aus, die Bewohner des Landes darauf hinzuweisen. Viele Argentinier empfanden die britische Herrschaft über die Inseln als ungerecht. Das Kalkül der Militärs war es, durch eine erfolgreiche Eroberung der Inseln die Zustimmung zurückzuerhalten.

Das politische Umfeld wurde von den Militärs als günstig für eine solche Operation eingeschätzt. Zum einen unterhielt die Militärregierung sehr gute Beziehungen zu den USA. Sie betrachtete sich als den wichtigsten Verbündeten der USA in Lateinamerika und ging daher davon aus, dass die US-Regierung einer Eroberung der Inseln neutral bis wohlwollend gegenüberstehen würden. Diese Annahme war jedoch sehr realitätsfern. Die USA standen selbstverständlich ihrem langjährigen Verbündeten Großbritannien bei und unterstützten diesen sowohl politisch als auch logistisch. Zum anderen hatte Großbritannien zu dieser Zeit ebenfalls mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Daher gingen die Militärs davon aus, dass die britische Regierung nicht dazu bereit wäre, die großen Ausgaben zu tragen, die eine Kriegsführung mehr als zehntausend Kilometer von der Heimat entfernt mit sich bringen würde. Doch auch diese Annahme war falsch. Die britische Regierung konnte durch die erfolgreiche Kriegsführung sogar die innenpolitische Popularität zurückgewinnen, die die argentinischen Militärs für sich selbst durch den Angriff erreichen wollten.

Der Ablauf der Kampfhandlungen

Die argentinische Invasion begann in der Nacht vom ersten auf den zweiten April 1982. Die Besetzung der Inseln erfolgte allem Anschein nach sehr überhastet. Der Zeitpunkt war unter strategischen Gesichtspunkten schlecht gewählt. Der bevorstehende Winter, die bekannten Pläne Großbritanniens, Flugzeugträger und Landungsschiffe stillzulegen und die von Argentinien gekauften, aber noch nicht ausgelieferten Waffen, die die Stärke der Truppen erheblich verstärkt hätte sind Gründe dafür, dass eine spätere Besetzung erfolgversprechender gewesen wäre. Der große Zeitdruck entstand wohl aufgrund der innenpolitischen Probleme der Militärregierung. Trotz der Improvisation der argentinischen Truppen war es kein Problem, die nur 42 britischen Soldaten, die auf der Insel stationiert waren, zu besiegen.

Die britische Regierung war nicht in der Lage, direkt auf den Militärschlag zu antworten. Kein britisches Kriegsschiff war in der Lage, die Inseln in weniger als vierzehn Tagen zu erreichen. Außerdem waren die britischen Truppen auf eine derartige Aktion nicht vorbereitet. Die britische Regierung versuchte daher zunächst, diplomatisch über die Vereinten Nationen auf Argentinien einzuwirken. Dennoch entsandte es zunächst einige Schiffe in den Südatlantik, um der Forderung nach einem Rückzug Nachdruck zu verleihen. Jedoch waren dies Schiffe nicht dazu in der Lage, der großen argentinischen Übermacht Einhalt zu gebieten. Daher wurden gleichzeitig Vorbereitungen getroffen, um die Inseln auf militärischem Wege zurückzuerobern. Wie groß die Herausforderung für die britische Armee war, wird daran erkenntlich, dass mehrere zivile Schiffe für die Rückeroberung genutzt werden mussten und dass außerdem sogar Gardeeinheiten, die eigentlich nur zeremoniellen Aufgaben dienen und die über keine Kampfausbildung und nur über eine leichte Bewaffnung verfügen, zur Verteidigung der Inseln herangezogen wurden.

Die Briten konnten im April nur zwei Flugzeugträger in der Region einsetzen, die zusammen nur über 20 Flugzeuge verfügten. Die argentinische Luftwaffe hatte hingegen etwa 200 Kampfflugzeuge ind er Region versammelt und war so weit überlegen. Das Ziel der britischen Streitkräfte war, die einzige ausgebaute Start- und Landebahn auf den Inseln zu zerstören. Der größte Teil der argentinischen Flugzeuge benötigte eine ausgebaute Landebahn und würde so funktionsuntüchtig gemacht. Da Großbritannien jedoch über keine Langstreckenbomber verfügte, wurde ein sehr aufwendiges Unternehmen durchgeführt, in dem Tankflugzeuge eingesetzt wurden, die sich sogar gegenseitig betanken mussten, um die lange Strecke zurücklegen zu können, um die Inseln mit Mittelstreckenbombern zu erreichen. Obwohl bei dieser Aktion am 1. Mai nur eine einzige Bombe auf der Landebahn einschlug, konnte die argentinische Lufthoheit über die Inseln nachhaltig geschwächt werden.

Auch zur See konnten die Briten schnell ihre Stellung verbessern. Nachdem am 2. Mai der argentinische Kreuzer General Belgrano durch britische U-Boote versenkt worden war, zog sich die argentinische Marine zu ihren Stützpunkten zurück. Dennoch bekämpften die argentinischen Streitkräfte die britischen Schiffe weiter aus der Luft und konnten am 4. Mai einen britischen Zerstörer so stark beschädigen, dass er aufgegeben werden musste.

Am 21. Mai landeten die britischen Truppen schließlich auf der östlichen Hauptinsel. Die Landung konnte ohne größeren Widerstand vollzogen werden, jedoch intensivierten sich die Gefechte im Anschluss daran erheblich. Die Verluste steigerten sich im Anschluss daran erheblich. Obwohl argentinische Flugzeuge einige Schiffe des Vereinigten Königreichs versenken konnten, gelang es den britischen Truppen, immer weiter nach Stanley, der Hauptstadt der Inselgruppe, vorzudringen. Am 14. Juni gelang es den britischen Truppen, den argentinischen Widerstand zu brechen und noch am gleichen Tag erfolgte die Kapitulation. Der Krieg kostete nach offiziellen Angaben 253 Briten und 655 Argentiniern das Leben. Da die argentinische Regierung jedoch nicht zu weiteren Verhandlungen bereit war, erklärte Großbritannien die Kampfhandlungen einseitig für beendet. Erst 1989 konnte der Krieg nach langen Verhandlungen offiziell für beendet erklärt werden.

Die die Rolle der Falklandinseln in der heutigen Politik

Insbesondere für Argentinien stellen die Inseln nach wie vor ein wichtiges Thema für die Politik dar. Das Nationalbewusstsein ist sehr hoch und die große Mehrheit der Bevölkerung vertritt die Meinung, dass die Inseln zu Argentinien gehören. Aus diesem Grund beharren die verschiedenen Regierungen nach wie vor auf der Souveränität über die Inseln. Argentinien stellt als Bedingung für Gespräche mit Großbritannien, dass über die Souveränitätsfrage verhandelt wird. Großbritannien bietet zwar Gespräche zu bestimmten Sachthemen an, ist jedoch nicht dazu bereit, über die Souveränitätsfrage zu verhandeln. Argentinien beruft sich in seiner Position auf die UN-Resolution zur Entkolonialisierung, Großbritannien auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Da die Bewohner der Inseln unter keinen Umständen zu Argentinien gehören wollen und die aggressive argentinische Politik in dieser Frage nicht gerade dazu dient, diese Meinung zu ändern, scheinen Verhandlungen aussichtslos.

Im Vorfeld des dreißigjährigen Jubiläums setzte insbesondere Argentinien die Inselfrage immer wieder auf die politische Agenda. Diplomatische Vorstöße im Rahmen der Vereinten Nationen wurden mit Wirtschaftsblockaden und dem Verbot für Schiffe unter der Flagge der Falklands, in argentinischen Häfen anzulegen, kombiniert. Die argentinische Regierung veranlasste verschiedene Länder der Region, an dieser Maßnahme teilzunehmen. Ein realistischer Vorschlag, der die Interessen der Inselbewohner berücksichtigt, wurde jedoch nicht gemacht. Eine Lösung, die an den Bewohnern der Inseln vorbeigeht, scheint jedoch wenig realistisch. Die Maßnahmen der Regierung sorgen allerdings dafür, dass die Meinung der Menschen auf den Falklandinseln immer stärker gegen Argentinien gerichtet ist. Daher liegt der Verdacht nahe, dass die Aktionen genau wie vor 30 Jahren in erster Linie auf die Innenpolitik abzielen und von den immer deutlicher werdenden wirtschaftlichen Problemen ablenken sollen.






© Harald Angles