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Mit Musik und Sport gegen Waffenbesitz

24.09.2012 Die guatemaltekische Regierung begann heute die erste Phase eines Programms, mit dem der Waffenbesitz im Land stark reduziert werden soll. Dabei stehen zunächst sportliche und kulturelle Veranstaltungen im Mittelpunkt, die den Jugendlichen Alternativen zur Kriminalität aufweisen sollen.

Die Kriminalitätsrate in Guatemala ist sehr hoch

Eines der größten Probleme der guatemaltekischen Gesellschaft ist die hohe Kriminalität im Land. Diese ist zwar etwas geringer als in den Nachbarländern El Salvador und Honduras, doch ist ganz Zentralamerika eines der Gebiete mit der höchsten Kriminalitätsrate der Welt. Auch in vielen anderen Ländern Lateinamerikas ist die hohe Kriminalität ein großes Problem und in vielen Bereichen kann der Staat sein Gewaltmonopol nicht umsetzen.

In einem engen Zusammenhang zur hohen Kriminalitätsrate steht der hohe Waffenbesitz. Guatemala importierte lediglich in den ersten vier Monaten des Jahres Waffen im Wert von 2,1 Millionen Dollar. Viele der legal importierten Waffen werden im Laufe der Zeit zu illegalen Waffen und können zu Tatwerkzeugen bei Straftaten werden. Lediglich das Nachbarland Honduras, das Land mit der höchsten Mordrate Lateinamerikas, kaufte in diesem Zeitraum in Mittelamerika mehr Waffen.

Dreistufiges Programm, um den Waffenbesitz zu reduzieren

Die Regierung begann nun mit einem dreistufigen Programm, das den Waffenbesitz reduzieren soll. Der erste Schritt besteht in der Schaffung kultureller Angebote für Kinder und Jugendliche. Da die meisten Straftäter noch sehr jung sind, will die Regierung den jungen Menschen Alternativen bereitstellen, um sie vom Verbrechen abzuhalten. Sport und Musik stehen im Mittelpunkt der Angebote für die Jugendlichen. Im zweiten Schritt sollen alle Waffen, die von der Polizei konfisziert wurden, konsequent vernichtet werden, um zu verhindern, dass sie wieder in Umlauf kommen. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres konfiszierte die Polizei mehr als 2.000 Waffen. Im dritten Schritt sollen schließlich die Kontrollen für den Waffenbesitz verstärkt werden, um die Menge der illegalen Feuerwaffen zu reduzieren.

Zur Auftaktveranstaltung wurden Jugendliche aus dem ganzen Land mit Bussen in die Hauptstadt befördert. Etwa 20.000 junge Menschen konnten an der Veranstaltung teilnehmen. Der Präsident Guatemalas, Otto Pérez Molina, griff sogar selbst zur Gitarre, um die Teilnehmer dazu zu animieren, mehr Musik zu machen, anstatt Straftaten zu begehen. Auch berühmte Sportler Guatemalas nahmen an dem Treffen Teil. Einige Unternehmer übergaben dem guatemaltekischen Geher Erick Barrondo, der bei den olympischen Spielen in London die Silbermedaille gewinnen konnte, Sportgeräte, um ein Programm durchzuführen, das 20.000 Jugendliche zum Sport animieren und so vom Verbrechen abhalten soll.






© Harald Angles