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Sendero Luminoso tötet bei einem Angriff eine peruanische Polizistin

12.04.2012 Die peruanische Terrororganisation Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad) tötete heute bei einem Angriff auf einen Hubschrauber eine Polizistin und verletzte zwei weitere Besatzungsmitglieder. Der Hubschrauber suchte nach den 43 Geiseln, die die Terrorgruppe seit Montag in ihrer Gewalt hält.

Die Terrororganisation Sendero Luminoso

Die maoistische Gruppierung entstand Ende der sechziger Jahre als Studentenorganisation. Die große Armut in der Andenregion und die Vernachlässigung durch die Regierung führten zunächst zu einer gewissen Unterstützung der Organisation durch die Kleinbauern in der Region.

Als 1980 nach dem Ende der Militärdiktatur in Peru Wahlen stattfinden sollten, entschied sich Sendero Luminoso gegen den demokratischen Weg und boykottierte die Wahlen teilweise unter Gewaltanwendung. Daraufhin begann der bewaffnete Kampf, der schließlich das ganze Land in einen bürgerkriegsähnlichen Zustand versetzte und etwa 70.000 Todesopfer forderte. Die Aktionen der Organisation waren von einer in Lateinamerika bisher nicht dagewesenen Radikalität geprägt. Weite Teile der Zivilbevölkerung wurden gefoltert oder getötet, wenn nur ein geringfügiger Verdacht bestand, gegen die Ziele der Organisation eingestellt zu sein. Die Zusammenarbeit mit Sendero Luminoso hingegen führte zu ähnlichen Maßnahmen durch das Militär, sodass für die Bauern im Hochland oft eine auswegslose Situation entstand. Die Unterstützung für Sendero Luminoso ging daraufhin schnell zurück und die Mehrheit der Bevölkerung sehnte sich nur nach Frieden. Als 1990 Alberto Fujimori zum Präsidenten gewählt wurde, verstärkte dieser die Militäroperationen erheblich und sorgte durch Sozialprogramme auch dafür, dass die Unterstützung in der Bevölkerung für Sendero Luminoso noch weiter zurückging. 1993 wurde ein Amnestiegesetz beschlossen, woraufhin 1994 ein großer Teil der Kämpfer die Waffen abgab und der Kampf somit zu einem Ende kam.

Entführung von 43 Arbeitern

In den darauffolgenden Jahren kam es kaum zu Aktionen durch Sendero Luminoso. Erst seit einiger Zeit treten wieder Gruppen auf, die sich auf Sendero Luminoso beziehen. Eine dieser Gruppen entführte am vergangenen Montag in der Nähe von Cuzco 43 Arbeiter. Die Aktion wurde von etwa 50 bewaffneten Männern durchgeführt und fand in einer Region statt, die durch tropischen Regenwald geprägt und daher nur sehr schwer zugänglich ist. Die Entführer forderten ein millionenschweres Lösegeld, die Regierung war jedoch nicht dazu bereit, dieses zu bezahlen, sondern stellte Militär und Polizei ab, um die Geiseln zu suchen.

Erstes Todesopfer bei der Suche nach den Entführten

Die Suche nach den Geiseln forderte heute ein erstes Todesopfer. Ein Militärhubschrauber, der das Gebiet überflog, wurde beschossen und eine Polizistin wurde dabei tödlich getroffen. Zwei weitere Besatzungsmitglieder wurden von Kugeln in die Beine getroffen. Die Regierung hatte bereits vor diesem Vorfall den Ausnahemzustand über die Region verhängt. Präsident Humala rief die Bevölkerung dazu auf, Vertrauen in die Polizei und das Militär zu haben und bekräftigte, dass die verschleppten Arbeiter bald gesund zu ihren Familien zurückkehren würden.






© Harald Angles