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Puerto Rico will Staat der USA werden

07.11.2012 Puerto Rico ist bislang ein sogenanntes Außengebiet der USA. Dies bedeutet, dass das Land nicht unabhängig ist, aber auch keinen Teil der Vereinigten Staaten darstellt. Der Status, den Puerto Rico innehat, entspricht weitestgehend dem einer modernen Kolonie. Obwohl die Puerto-Ricaner die US-Staatsbürgerschaft besitzen, waren sie bei den gestrigen Präsidentschaftswahlen nicht wahlberechtigt, insofern sie ihren Wohnsitz nicht in einen der anderen Staaten der USA verlegten. Dennoch fanden im kleinen Karibik-Staat parallel Wahlen statt. Dabei entschieden die Einwohner nicht nur über ihre politischen Vertreter, sondern auch über ihre staatliche Zugehörigkeit.

Überwältigende Mehrheit stimmt für Eingliederung in die USA

Im Rahmen der Wahlen fand ein Referendum statt, in dem die Einwohner des Landes zum territorialen Status des Landes befragt wurden. Dabei wurden ihnen zwei Fragen gestellt. Die erste Frage lautete, ob sie mit dem aktuellen Status des Landes zufrieden sind. Nach den vorläufigen Ergebnissen antworteten dabei 53,90 Prozent¹ der Wähler, dass sie mit der aktuellen Situation nicht zufrieden seien. Dabei ist auch zu beachten, dass dieses Ergebnis nicht nur die Situation in einzelnen Gebieten des Landes widerspiegelt, sondern des ganzen Staatsgebiets. In jeder einzelnen Gemeinde Puerto Ricos erzielte das "NO" nach den bisherigen Ergebnissen die Mehrheit.¹

Bei der zweiten Frage wurden die Puerto-Ricaner befragt, welche Staatsform sie für ihr Land vorziehen würden. Dabei hatten sie drei Auswahlmöglichkeiten. Die erste mögliche Antwort war, dass Puerto Rico ein gleichberechtigter Bundesstaat der USA werden soll. Die zweite Möglichkeit war die Aufrechterhaltung des Status Quo, nach dem Puerto Rico ein abhängiger Freistaat ist. Die dritte Möglichkeit war die vollständige Unabhängigkeit von den USA. Bei dieser Frage stimmte eine überwältigende Mehrheit von 61,40 Prozent für die Eingliederung in die USA. An zweiter Stelle folgte die Aufrechterhaltung der bisherigen Staatsform mit 33,14 Prozent der Stimmen. Lediglich 5,46 Prozent der Wähler entschied sich dafür, dass Puerto Rico unabhängig werden soll.¹

Neuer Gouverneur in Puerto Rico

Neben dem Plebiszit fanden in Puerto Rico auch die Gouverneurswahlen und die Kommunalwahlen statt. nach den bisherigen Ergebnissen, dabei es dabei zu einem Wahlsieg der PPD (Partido Popular Democrático - Demokratische Volkspartei). Der neue Gouverneur ist demnach der PPD-Vertreter Alejandro García Padilla². Auch in der Hauptstadt San Juan kam es zu einem Regierungswechsel zugunsten der PPD. Da die PPD eine Partei ist, die sich bezüglich der staatlichen Zugehörigkeit Puerto Ricos für eine Beibehaltung des Status Quo einsetzt, bleibt es abzuwarten, welche Auswirkungen das Referendum - bei dem gerade die gegenteilige Position gewann - auf die Politik des Landes haben wird.




© Harald Angles