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Soldaten sorgen für die Sicherheit auf den Straßen des brasilianischen Bundesstaats Bahia

06.02.2012 Bereits seit sechs Tagen befindet sich ein erheblicher Teil der Polizeibeamten im brasilianischen Bundesstaat Bahia im Streik. Die Kriminalität stieg in diesem Zeitraum erheblich an. Mindestens 83 Morde wurden bislang registriert, andere Quellen sprechen sogar von mehr als 90 gewaltsamen Todesfällen. Die ohnehin bereits sehr hohe Mordrate in Bahia wurde damit mehr als verdoppelt. Die Polizisten fordern eine bessere Bezahlung und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

Aufgrund der zunehmenden Probleme sind nun Soldaten in Bahia einmarschiert. Diese haben eine doppelte Aufgabe. Zum einen sollen sie die Sicherheitslage wieder verbessern, zum anderen ist eine Spezialtruppe dafür abgestellt worden, die Anführer des Streiks zu verhaften.

Streikende Polizisten werden des Aufruhrs beschuldigt

Etwa ein Drittel der 31.000 Mann starken Polizeitruppe in Bahia befindet sich im Streik. Die Arbeit als Polizist in einem der am stärksten unter der Kriminalität leidenden Bundesstaaten ist sehr gefährlich. Viele Polizisten fallen den Kämpfen mit den Verbrecherbanden zum Opfer. Eine geringe Bezahlung macht die Arbeit ebenfalls unattraktiv. Dies sind die Beweggründe für den Streik in Bahia.

Seit der Streik begonnen hat, entwickelte sich eine besorgniserregende Welle der Gewalt, in erster Linie in der Hauptstadt des Bundesstaats Bahia, Salvador. Die brasilianische Regierung geht davon aus, dass diese Gewaltwelle nicht nur der Arbeitsniederlegung der Polizei geschuldete ist. Sie geht davon aus, das die Anführer des Streiks die Unruhen angestachelt haben. Daraufhin entsandte sie 3.500 schwer bewaffnete Soldaten nach Bahia. Diese sollen zum einen die öffentliche Ordnung durch Patrouillen wieder herstellen und Gewalttäter verhaften. Zum anderen sollen sie auch die streikenden Polizisten unter Kontrolle halten und die Anführer, die des Aufruhrs beschuldigt werden, verhaften.

Die streikenden Polizisten halten sich derweil im Parlamentsgebäude von Bahia verschanzt. Neben den streikenden Beamten befinden sich auch deren Familien dort. Diese werden als Schutzschild genutzt, um eine Stürmung des Gebäudes durch die Armee zu verhindern. Ein Sprecher der Polizisten sagte, eine Erstürmung könne fatale Folgen haben, wenn eine bewaffnete Truppe gegen eine andere bewaffnete Truppe kämpfe.

Schwere Schäden für den Tourismus in Salvador

Salvador ist eines der wichtigsten Zentren des Tourismus in Brasilien. Die Strände der Region sind von bezaubernder Schönheit und auch das Klima ist sehr angenehm. Das Stadtzentrum Salvadors ist ebenfalls von herausragender Schönheit und steht auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Insbesondere zu Karneval machen viele Tausend Touristen Urlaub in Salvador. In zwei Jahren, zur Fußball Weltmeisterschaft 2014, sollen einige Spiele in Salvador da Bahia ausgetragen werden.

Die Kriminalität ist jedoch eines der größten Probleme der Tourismusindustrie in Salvador. Bereits die normalen Verbrechensraten sind sehr hoch und nicht selten werden unvorsichtige Touristen Opfer eines Überfalls. Durch die Gewaltwelle wurde dieses Problem nochmals deutlich verstärkt. Die Militärs patrouillieren daher in erster Linie in der Nähe der Sehenswürdigkeiten im Stadtzentrum und an den Badestränden. Die Regierung hofft, dass sie die Sicherheitslage bis zu Beginn des Karnevals in zwei Wochen wieder beruhigen kann, um die Feiern nicht zu beeinträchtigen.






© Harald Angles