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Argentinien hat gewählt

24.10.2011 Die amtierende Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner ist mit überwältigendem Erfolg wiedergewählt worden. Sie erreichte im ersten Wahlgang etwa 54% der Stimmen. So wurde der zweite Wahlgang unnötig. Dieser wird dann durchgeführt, wenn keiner der Kandidaten 45% der Stimmen erreicht oder wenn kein Kandidat sowohl 10% Vorsprung vor dem Zweitplatzierten und mindestens 40% der Stimmen erhalten hat.

Der höchste Stimmenanteil bei einer Präsidentschaftswahl seit der Redemokratisierung 1983

Dieses Ergebnis ist der höchste Wahlsieg, der bei einer Präsidentschaftswahl seit der Redemokratisierung im Jahre 1983 errungen wurde. Die anderen Kandidaten landeten weit abgeschlagen. Der zweitplatzierte war der Gouverneur der Provinz Santa Fe, Hermes Binner, mit nur 17%. Der Kandidat der traditionellen Partei UCR, Ricardo Alfonsín, Sohn des ehemaligen Präsidenten Raúl Alfonsín, konnte nur 11% erringen. Dies war ein äußerst enttäuschendes Ergebnis für die älteste noch bestehende Partei Argentiniens, die den ersten demokratisch gewählten Präsidenten des Landes stellte. Die übrigen Kandidaten konnten kaum Stimmen erringen. Bemerkenswert ist das schlechte Ergebnis der Bewegung ARI, mit der Präsidentschaftskandidatin Elisa Carrió, die nur 1,6% erhalten hatte. Damit scheint sich das Ende dieser Bewegung abzuzeichnen, die im ersten Jahrzehnt des Zwanzigsten Jahrhunderts bei verschiedenen Wahlen bis zu 15% der Stimmen erringen konnte.

Bedeutender Wahlsieg trotz sich abzeichnender wirtschaftlicher Probleme

Der Wahlsieg fiel trotz sich abzeichnender wirtschaftlicher Probleme extrem hoch aus. Argentinien konnte in den letzten Jahren viel Profit aus der internationalen wirtschaftlichen Situation schlagen. Extrem steigende Sojapreise brachten dem Land, das sich für den Anbau der Sojabohnen so gut eignet wie kein zweites, ein starkes Wachstum. Außerdem konnte Argentinien aus dem starken Wachstum und der damit verbundenen Steigerung der Nachfrage im Nachbarland Brasilien Kapital schlagen. Die Gewinne, die so erzielt wurden, wurden zum Aufbau eines klientelistischen Systems verwendet, wie es bisher kaum vorstellbar war. Dazu kommt eine sehr starke Inflation, der von Regierungsseite jedoch nur damit begegnet wird, dass sie verleugnet wird. Eine gute Illustration der Verhältnisse in Argentinien in den letzten Jahren bietet eine Reportage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die den Klientelismus in Argentinien anschaulich darstellt. Da jedoch die Sojapreise in den letzten Monaten zurückgingen und auch das Wachstum in Brasilien etwas an Dynamik verloren hat, was unter anderem zu einer Abwertung der dortigen Währung führte, scheint es unwahrscheinlich, dass dieses Modell auf Dauer fortgesetzt werden kann. So bleibt die spannende Frage, wie die Regierung mit diesen Herausforderungen umgeht.






© Harald Angles