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Dominikanische Republik

Reliefkarte der Dominikanischen Republik
Die Geografie der Dominikanischen Republik
Quelle: Wikimedia Commons

Die Dominikanische Republik ist ein kleiner Inselstaat, der am Rande der Karibik liegt. Das Land ist durch große soziale Gegensätze geprägt. In den Hochburgen des Tourismus herrscht Luxus und viele Menschen aus wohlhabenderen Staaten haben sich hier niedergelassen. Im Gegensatz dazu lebt ein großer Teil der Dominikaner in Armut. Mehr als zehn Prozent der Bevölkerung ist unterernährt.

Wo liegt die Dominikanische Republik?

Die Dominikanische Republik liegt auf der Insel Hispaniola. Der Staat teilt sich die Insel mit dem Land Haiti, das das westliche Drittel der Insel einnimmt und der einzige direkte Nachbar der Dominikanischen Republik ist. Die Insel liegt am Übergang vom karibischen Meer zum Atlantischen Ozean. Weitere wichtige Nachbarinseln sind Puerto Rico, das nur etwa 100 Kilometer entfernt liegt, sowie Jamaika und Kuba, die jedoch in etwas weiterer Entfernung liegen. In den größten Teilen der Dominikanischen Republik herrscht tropisches Klima. Im Norden ist das Klima feucht warm, selbst im Winter sinken die Temperaturen nur geringfügig. Im Süden sind die Temperaturen ähnlich, allerdings ist es hier deutlich trockener. Das Landesinnere ist durch ein Gebirge geprägt, das Cordillera Central genannt wird und sich bis zu einer Höhe von etwa 1400 Metern über dem Meeresspiegel erhebt. Trotz der Lage in der Nähe des Äquators sind dort aufgrund der Höhe im Winter Temperaturen unterhalb des Gefrierpunktes möglich. Die größte Stadt des Landes ist die Hauptstadt Santo Domingo, die an der Südküste liegt und etwa 1,8 Millionen Einwohner hat. Jedoch bildet sie zusammen mit weiteren unabhängigen Städten, die sich direkt an die Stadtgrenzen anschließen, einen deutlich größeren Ballungsraum. Die zweitgrößte Stadt des Landes ist Santiago de los Caballeros, die im nördlichen Landesteil liegt.

Naturlandschaft in der Dominikanischen Republik
Tropische Wasserfälle
in der Dominikanischen Republik
Quelle: Wikimedia Commons

Die Bevölkerung der Dominikanischen Republik stellt eine bunte Mischung verschiedener Kulturen dar. Der größte Teil der Dominikaner ist spanischer Herkunft. Zwar leben auch hier viele Nachfahren afrikanischer Sklaven, doch ist deren Anzahl deutlich geringer als in vielen anderen Ländern der Region. Ein Teil der ehemaligen Sklaven wanderte zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts aus den USA in die Dominikanische Republik ein. Deren Nachfahren stellen bis heute eine englischsprachige Minderheit im Land dar. Neben dieser ursprünglichen Zusammensetzung der Bevölkerung kam es auch noch in den letzten Jahrzehnten zu großen Einwanderungsbewegungen. Insbesondere aus dem verarmten Nachbarland Haiti wanderten viele Menschen in die Dominikanische Republik ein, um wenigstens etwas bessere Lebensverhältnisse vorzufinden. Dies führte dazu, dass sich eine weitere Minderheit entwickelte, die haitianisches Kreolisch oder vereinzelt auch Französisch spricht. An den touristisch attraktiven Orten hat sich hingegen eine ganz anders motivierte Migrationsbewegung eingestellt. In vielen Orten stellen Einwanderer aus Nordamerika oder Europa etwa 20 Prozent der Bevölkerung dar. Hier waren nicht die wirtschaftlichen Motive für die Migrationsbewegung verantwortlich, sondern die natürliche Schönheit der Insel und das angenehme Klima.

Die Geschichte der Dominikanischen Republik

Die Insel Hispaniola wurde am 5. Dezember 1492 durch Christoph Kolumbus entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt wurde sie von vielen verschiedenen Völkern besiedelt. Die Schätzungen verschiedener Historiker gehen davon aus, dass dort zu diesem Zeitpunkt zwischen 400.000 und 8 Millionen Einwohner lebten. Zunächst wurde der westliche Teil der Insel entdeckt, der heute zu Haiti zählt. Dort wurde die erste europäische Siedlung auf amerikanischem Boden - das Fort la Navidad - aus den Überresten eines gestrandeten Schiffs errichtet. Obwohl die Einwohner der Insel sogar beim Bau des Forts mithalfen, zerstörten sie es nach kurzer Zeit aufgrund der zahlreichen Plünderungszüge der Spanier. Kolumbus führte deswegen im darauffolgenden Jahr einen Feldzug gegen das Volk der Arawak durch, die in diesem Gebiet lebten. 1494 gründeten die Spanier mit La Isabela die erste geplante Siedlung in Amerika. Dieser Ort lag auf dem heutigen Staatsgebiet der Dominikanischen Republik, in der Nähe der Stadt Puerto Plata. 1496 gründete der Bruder des bekannten Seefahrers im Süden der Insel Santo Domingo, welches die Hauptstadt der Insel wurde und bis heute die älteste noch erhaltene europäische Siedlung auf amerikanischem Boden ist (da La Isabela bereits 1497 aufgegeben wurde).

Im sechzehnten Jahrhundert wurde die Insel stärker kolonisiert und die Einheimischen wurden zur Zwangsarbeit in den Goldminen und später zur Arbeit in den Zuckerrohrplantagen verpflichtet. Aufgrund der harten Arbeitsbedingungen, der mangelhaften Ernährung und der Einschleppung neuer Krankheitserreger aus Europa starben die meisten Ureinwohner innerhalb weniger Jahrzehnte. Die wenigen Überlebenden mischten sich mit den Siedlern und später auch mit den Nachfahren der Sklaven und verloren so ihre kulturelle Identität vollständigen, sodass es in der Dominikanischen Republik heute keine Ureinwohner mehr gibt. Aufgrund des Aussterbens der indigenen Völker der Insel begannen die Spanier bald, afrikanische Sklaven auf die Insel zu verschleppen, deren Nachfahren bis heute im westlichen Teil der Insel die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen.

Bereits ab 1625 siedelten sich auf einer kleinen Insel im Norden Hispaniolas französische Seeräuber an, die sich auch teilweise auf der Hauptinsel niederließen. Die Spanier konnten sie jedoch zunächst wieder vertreiben, doch siedelte sich ein Teil der verbliebenen Seefahrer im unbesiedelten Nordwesten der Insel an und begann dort, landwirtschaftlichen Tätigkeiten nachzugehen. 1661 ernannten die Franzosen einen Gouverneur und gründeten im Westen der Insel 1665 eine Kolonie. Nach zahlreichen Auseinandersetzungen mit Spanien wurde die Insel 1697 schließlich geteilt. Während der spanische Teil er Insel zunehmend verarmte, florierte im französischen Teil die Landwirtschaft und Saint Domingue - so der Name der französischen Kolonie - war sogar zeitweise die wohlhabendste Kolonie Frankreichs. Nach den Kriegen in der Folge der Französischen Revolution musste Spanien 1795 schließlich Frankreich die gesamte Insel überlassen. 1804 verkündete die Bevölkerung der Insel ihre Unabhängigkeit von Frankreich. Französische Truppen besetzten jedoch bald darauf den Ostteil der Insel, sodass de facto nur der Westen die Unabhängigkeit erreichte. Nachdem der Ostteil der Insel einige Zeit später wieder Haiti zugegliedert wurde, kam es einige Jahre später zu einem Anschluss an Spanien, ehe er wieder Haiti angeschlossen wurde.

Obwohl der Ostteil der Insel sich freiwillig an Haiti angeschlossen hatte, kam es bereits bald darauf zu erheblichen Widerständen gegen die Regierung. Zum einen empfanden viele Bewohner des Ostteils den harten Kurs der haitianischen Regierung gegen die katholische Kirche als nicht gerechtfertigt, zum anderen musste Haiti als Gegenleistung für die Anerkennung durch Frankreich hohe Reparationszahlungen leisten, die es zu großen Teilen auf den Ostteil abwälzte. Daher kam es zu einer immer stärkeren Ablehnung der haitianischen Regierung und schließlich verkündete die Dominikanische Republik 1844 ihre Unabhängigkeit.

Aufgrund der schweren wirtschaftlichen Situation schloss sich die Dominikanische Republik 1861 freiwillig Spanien an, was jedoch 1863 zu einem Aufstand führte und nach einem Bürgerkrieg wieder die Unabhängigkeit brachte. Diese währte jedoch nur etwas mehr als 50 Jahre. Nachdem zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Situation durch zahlreiche Bürgerkriege sehr instabil wurde, mischten sich die USA immer stärker in die internen Angelegenheiten der Dominikanischen Republik ein und besetzten diese schließlich 1916. Die Besatzung endete 1924 und mündete in freie Wahlen. Im Jahr 1930 wurde Rafael Trujillo zum Präsidenten gewählt, der die Republik für mehrere Jahrzehnte einem sehr autoritären Regime unterwarf und zahlreiche Menschenrechtsverletzungen zu verantworten hatte. Als Trujillo 1961 ins Exil gehen musste, kam es bald darauf zu freien Wahlen, die gewählte Regierung wurde jedoch bald darauf durch einen Militärputsch abgelöst. Seit 1966 finden in der Dominikanischen Republik regelmäßig Wahlen statt, wenn auch insbesondere in der Anfangszeit viele demokratische Grundrechte regelmäßig missachtet wurden.

Wirtschaft und Politik in der Dominikanischen Republik

Die Dominikanische Republik ist eine präsidiale Republik, in der der Präsident sowohl Staats- als auch Regierungschef ist. Das Parlament besteht aus zwei Kammern, der Abgeordnetenkammer und dem Senat. Obwohl in der Dominikanischen Republik demokratische Strukturen im politischen System vorherrschen und ein allgemeines und freies Wahlrecht besteht, wird das Land dennoch vom Demokratieindex der US-amerikanischen Zeitschrift The Economist als unvollständige Demokratie bezeichnet. Dabei werden insbesondere Defizite in der politischen Teilhabe und in der Funktionsweise der Regierung ausgemacht.

Die soziale Lage in der Dominikanischen Republik ist drastisch. Mehr als 10 Prozent der Bevölkerung sind nicht ausreichend ernährt. Die Kriminalitätsrate ist sehr hoch und der Schusswaffenbesitz beträchtlich. Die Bildung im Land ist sehr schlecht - 2010 veröffentlichte Statistiken sehen die Dominikanische Republik in diesem Bereich auf dem letzten Platz in ganz Lateinamerika. Dies liegt unter anderem daran, dass die Lehrkräfte nicht nach ihrer Ausbildung, sondern nach persönlichen Beziehungen ausgewählt werden. Außerdem können trotz allgemeiner Schulpflicht viele Kinder keine Bildungsanstalten besuchen. Das liegt zum einen daran, dass die vielen illegal im Land lebenden Haitianer nicht das Recht haben, eine öffentliche Schule zu besuchen und außerdem können sich auch viele Einheimische die teure Schuluniform nicht leisten, ohne die der Schulbesuch nicht gestattet wird.

Küstenlandschaft in der Dominikanischen Republik
Küstenlandschaft in der Dominikanischen Republik
Quelle: Wikimedia Commons

Lange Zeit war die Landwirtschaft die wichtigste Einkommensquelle des Landes. Bis zur Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts bestand etwa die Hälfte der Exporte des Landes aus landwirtschaftlichen Gütern, insbesondere Zuckerrohr. Die industrielle Produktion war in der Dominikanischen Republik immer gering und es wurden in erster Linie landwirtschaftliche Produkte weiterverarbeitet. Starke Einbrüche der Weltmarktpreise bewirkten jedoch, dass der Anbau landwirtschaftlicher Güter immer weniger lohnenswert wurde. Für einige Jahrzehnte konnte der Bergbau die Rückgänge im Export landwirtschaftlicher Produkte kompensieren, seit einigen Jahrzehnten nimmt jedoch der Tourismus in der Dominikanischen Republik eine immer wichtigere Stellung ein. Das tropische Klima und die kilometerlangen Sandstrände machen einen Urlaub in der Dominikanischen Republik zu einem unvergesslichen Erlebnis und auch das karibische Lebensgefühl zieht viele Reisende an. Es entwickelte sich schnell eine gute Infrastruktur für eine Reise in die Dominikanische Republik, sowohl in Bezug auf die Verkehrsanbindung als auch hinsichtlich der Hotels und Ferienwohnungen. Knapp vier Millionen Urlauber reisen jährlich in die Dominikanische Republik, weshalb der Tourismus zu einer der wichtigsten Einnahmequellen des Landes wurde.

Über die Dominikanische Republik sind bisher folgende Artikel erschienen:

Streit mit dem Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte

07.11.2014 Das Verfassungsgericht erklärte die Verträge über die Zuständigkeit der internationalen Organisation als rechtswidrig. mehr>

Alphabetisierungsplan vorgestellt

10.09.2012 Heute wurde der Alphabetisierungsplan der Dominikanischen Republik vorgestellt. Dessen Ziel ist es, die hohe Analphabetenquote drastisch zu reduzieren. mehr>

 





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