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Ecuador

Reliefkarte von Ecuador
Die Geografie Ecuadors
Quelle: Wikimedia Commons

Ecuador ist eines der kleinsten Länder Südamerikas. Dennoch weist das Land eine Fläche von mehr als 258.000 Quadratkilometern auf und ist damit beispielsweise größer als Großbritannien. Jedoch hat das Land nur etwa 15 Millionen Einwohner und ist somit deutlich dünner besiedelt als die meisten europäischen Staaten.

Wo liegt Ecuador?

Ecuador liegt im westlichen Südamerika, an der Grenze zum Pazifischen Ozean. Das Land liegt auf der Höhe des Äquators, der auch für die Namensgebung verantwortlich ist. Die Nachbarländer Ecuadors sind Peru und Kolumbien. Darüber hinaus zählen auch die für ihre einmaligen Tierarten bekannten Galapagosinseln zu Ecuador. Das Land wird in drei Abschnitte eingeteilt, die sich sowohl geographisch, als auch kulturell stark unterscheiden.

Die Hauptstadt Quito mit Vulkanen im Hintergrund
Quito mit dem Cotopaxi im Hintergrund

Das Zentrum Ecuadors, in dem auch die Hauptstadt Quito liegt, wird durch die Anden geprägt. Diese Region wird Sierra (Span. für Gebirge) genannt. Quito selbst liegt beispielsweise auf einer Höhe von 2850 Metern über dem Meeresspiegel. In der Andenregion liegen auch die höchsten Berge des Landes. Der höchste Berg Ecuadors ist der Chimborazo mit einer Höhe von 6310 Metern, gefolgt vom Cotopaxi mit 5897 Metern, der einer der höchsten aktiven Vulkane der Welt ist. Obwohl diese Region am Äquator liegt, sind die Temperaturen hier aufgrund der Höhe das ganze Jahr über gemäßigt.

Die Küstenregion (Span. Costa) unterscheidet sich in vielen Bereichen von der zentralen Bergregion. Zum einen ist hier das Klima tropisch heiß, zum anderen setzt sich hier die Bevölkerung auch aus anderen Etnien zusammen. Während in der Sierra der größte Teil der Bewohner indigener Abstammung ist und sowohl die Sprache als auch die Kultur der Ureinwohner in vielen Bereichen erhalten geblieben ist, leben in der Küstenregion deutlich mehr Menschen europäischer oder afrikanischer Abstammung, die sich jedoch ebenfalls mit der indigenen Bevölkerung vermischten. Indigene Sprachen und Kulturen sind hier kaum erhalten. Die Region erlebte in den letzten Jahrzehnten ein sehr großes Bevölkerungswachstum, was insbesondere daran liegt, dass sich dieses Gebiet sehr gut zum Anbau von Kakao und Bananen eignet, sodass hier viele Menschen Arbeit fanden und aus anderen Regionen des Landes abwanderten.

Die dritte Region wird Oriente (Span. für Osten) genannt. Die Landschaft ist hier durch tropischen Regenwald geprägt. Dieser Landesteil ist nur äußerst dünn besiedelt und war wirtschaftlich lange Zeit das unbedeutendste Gebiet des Landes. Dies änderte sich, als dort 1967 Erdöl entdeckt wurde. Seitdem ist Ecuador einer der wichtigsten Erdölproduzenten Südamerikas. Obwohl seither der Oriente der wirtschaftlich bedeutendste Teil Ecuadors ist, bleibt die Region dennoch sehr rückständig, da der hier gewonnene Reichtum der Bevölkerung kaum zugute kommt.

Die größte Stadt des Landes ist Guayaquil, das an der Pazifikküste liegt und mit mehr als 2 Millionen Einwohnern deutlich größer ist als die Hauptstadt Quito ist, die etwa 1,5 Millionen Einwohner zählt. Weitere wichtige Städte sind Cuenca, Santo Domingo und Machala, die jeweils etwa zwischen 200.000 und 300.000 Einwohner zählen. Von den zehn größten Städten des Landes liegen sechs in der Küstenebene und vier in der Sierra. Im östlichen Landesteil befindet sich keine größere Stadt.

Die Geschichte Ecuadors

Denkmal am Äquator fü Alexander von Humboldt
Denkmal für Alexander von Humboldt am Äquator

Vor der Eroberung durch die Spanier war Ecuador Teil des Reichs der Inka. Dieses Gebiet war für dieses Volk, das die Sonne als Gott anbetete, von besonderer Bedeutung, da hier der Äquator verlief, der für den Sonnenkult ein besonders mystischer Ort ist. Archäologische Forschungen legen nahe, dass die Inka bereits den Äquator mit sehr hoher Präzision bestimmen konnten, was der europäischen Forschung erst viele Jahrhunderte später gelang. Die Inka selbst konnten dieses Gebiet zu Beginn des 15. Jahrhunderts erobern. Davor bewohnten mehrere kleine unabhängige Stämme die Region. Kurz vor der Ankunft der Spanier kam es zu einem Bürgerkrieg, bei dem sich der nördliche Teil des Inkareichs, der ungefähr dem heutigen Ecuador entspricht, gegen den südlichen Teil des Reiches durchsetzte.

1534 eroberten die Spanier das Gebiet und gründeten San Francisco de Quito, die heutige Hauptstadt. Jedoch handelte es sich dabei nicht um eine Neugründung. Das Stadtgebiet war bereits seit mehreren Jahrhunderten ein wichtiger Handelsplatz und Quito war auch eines der wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Zentren des Inkareichs. Nach der Eroberung durch die Spanier wurde Ecuador Teil des Vizekönigreichs Peru. Doch innerhalb dieses Regierungsbereichs wurde die sogenannte Real Audiencia de Quito ("Königliche Audienz von Quito") als Statthalterschaft eingerichtet. Sie entsprach etwa dem Gebiet des heutigen Ecuadors zuzüglich einiger Bereiche im Amazonasgebiet, die heute zu Peru zählen. Diese sorgte dafür, dass dieses Gebiet sich stets eine gewisse Unabhängigkeit von der Herrschaft in Lima erhalten konnte.

In Quito kam es bereits ab 1809 zu Unabhängigkeitsbestrebungen, die jedoch von den Spaniern blutig niedergeschlagen wurden. Erst nach den Siegen der Unabhängigkeitskämpfer San Martín im Süden und Bolívar im Norden keimte in Quito erneut die Hoffnung auf Unabhängigkeit auf. Doch konnte der unter dem Kommando Bolívars stehende General Sucre erst 1822 die Spanier besiegen. Da die Unabhängigkeit von den Spaniern durch die Truppen Bolívars herbeigeführt wurde, gliederte dieser das Land in das von ihm geschaffene Staatsgebilde Großkolumbien ein. Erst als dieser Staat 1830 zerfiel, erlangte Ecuador seien endgültige Unabhängigkeit.

Das Land ist seit seiner Unabhängigkeit durch starke Gegensätze geprägt. Die Gegensätze bestehen zwischen Stadt und Land, Quito und Guayaquil, Landbesitzern und Landlosen sowie europäischstämmigen Einwohnern und den Ureinwohnern. Diese zahlreichen Konfliktlinien führten zu häufigen Regierungswechseln, die oft durch einen Putsch oder Bürgerkrieg herbeigeführt wurden. Die politischen Verhältnisse sind nach wie vor sehr instabil, was sich sehr belastend auf den Demokratisierungsprozess im Land auswirkt.

Politik in Ecuadors

Inkaruinen in Ecuador
Die Ruinenstadt Ingapirca
Quelle: Wikimedia Commons

Wie bereits erwähnt, zeichnet sich Ecuador durch eine große politische Instabilität aus. Dies konnte auch in der jüngeren Vergangenheit nicht behoben werden. Der aktuelle Präsident Correa ist seit vielen Jahren das erste Staatsoberhaupt, das seine Amtsperiode bis zum Ende absolvieren konnte. Davor wurde die Herrschaft der Präsidenten in der Regel vorzeitig durch ein Eingreifen des Militärs, durch Volksunruhen oder in einem Fall sogar durch einen mysteriösen Todesfall vorzeitig beendet.

Der Präsident Ecuadors hat sehr umfassende Vollmachten. Er ist sowohl Staatsoberhaupt als auch Regierungschef, weshalb Ecuador genau wie der größte Teil der lateinamerikanischen Staaten eine präsidiale Republik ist. Doch hat der Präsident Ecuadors noch weitere Vollmachten. Er hat einen sehr großen Einfluss auf die Entscheidungen der Legislative und auch die horizontale Gewaltenteilung ist nicht gewährleistet. Der Präsident ernennt die Gouverneure der Provinzen und selbst im Bereich der Kantone kann er das politische Oberhaupt ernennen.

Wirtschaft und Tourismus in Ecuador

Die Äquatorlinie in Ecuador
Linie zur Kennzeichnung des Äquators

Die Wirtschaft Ecuadors wurde lange Zeit durch die landwirtschaftliche Produktion geprägt. Seit jedoch in den sechziger Jahren Erdöl in Ecuador gefunden wurde, ist dieser Rohstoff das bedeutendste Exportgut des Landes. Doch ist nach wie vor die Landwirtschaft eine der wichtigsten Einkommensquellen des Landes. Ecuador ist nicht nur einer der größten Produzenten von Bananen, das Land konnte beispielsweise auch erfolgreich in die Nische der Produktion von Schnittblumen vordringen und entwickelte sich zu einem der größten Exporteure der Welt in diesem Bereich. Die Landwirtschaft ist insbesondere in der Küstenregion einer der wichtigsten Arbeitgeber.

Die soziale Lage des Landes ist jedoch durch große Ungleichheiten geprägt. Die ärmsten 40 Prozent der Bevölkerung müssen mit lediglich 11 Prozent des erwirtschafteten Wohlstands auskommen. Dazu kommt, dass Ecuador eines der Länder mit dem niedrigsten Durchschnittseinkommen Südamerikas ist. Dies führt zum einen dazu, dass dort viele Menschen in Armut leben, zum anderen haben auch etwa 20 Prozent der Ecuadorianer ihre Heimat verlassen, um in anderen Ländern Arbeit zu finden.

In den letzten Jahren konnte sich auch der Tourismus in Ecuador zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig entwickeln. Das Land zeichnet sich durch eine beeindruckende geografische Vielfalt aus, sodass der Besucher hier beispielsweise während des Aufenthalts die Küstenebene für einen Badeurlaub nutzen kann, aber auch das Hochgebirge der Anden und den tropischen Regenwald kennenlernen kann. Die Galapagos-Inseln, die etwa 1000 Kilometer vor der ecuadorianischen Küste liegen, bieten ebenfalls ein einmaliges Naturschauspiel. Die Inselgruppe der Galapagos ist daher ebenfalls das Ziel vieler Urlauber, die diese faszinierende Tierwelt, die sich völlig abgekoppelt von der Entwicklung in anderen Teilen der Welt entwickeln konnte, besuchen wollen. Darüber hinaus entwickelte sich Ecuador zu einem wichtigen Zentrum für Spanischkurse in Lateinamerika. Insbesondere in Quito siedelten sich sehr viele Spanischschulen an. Die Sprachschulen in Ecuador zeichnen sich dadurch aus, dass sie den Schülern sehr günstige Sprachkurse anbieten, sodass hier beispielsweise auch Einzelunterricht bezahlbar ist. Daher wählen Sprachschüler aus der ganzen Welt gerne Ecuador als Ziel für den Sprachkurs in Südamerika.

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