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Guatemala

Reliefkarte Guatemalas
Die Geografie Guatemalas
Quelle: Wikimedia Commons

Guatemala ist ein mittelamerikanisches Land, das geografisch von weitläufigen Gebirgen und kulturell von den Hinterlassenschaften der Maya geprägt ist, die dieses Gebiet vor vielen Jahrhunderten besiedelten. Das Land hat etwa 13 Millionen Einwohner und die Fläche beträgt ca. 109.000 Quadratkilometer. Die Hauptstadt Guatemalas heißt Guatemala Stadt, hat etwas mehr als eine Millionen Einwohner und liegt im bergigen Zentrum des Landes.

Wo liegt Guatemala?

Guatemala liegt im Norden Mittelamerikas. Ein Teil des Landes liegt auf der Halbinsel Yucatán, deren nordwestlicher Teil zu Mexiko gehört und die die die geografische Grenze zu Nordamerika darstellt. Die weiteren Nachbarländer sind Belice im Norden sowie El Salvador und Honduras im Süden.

Das Land verfügt über zwei Zugänge zum Meer. Im Nordosten besteht ein Zugang zum Golf von Honduras und somit zum Karibischen Meer. Im Süden grenzt das Land an die Pazifikküste. Der Norden des Staatsgebiets ist durch eine weitläufige Ebene geprägt. Hier herrscht ein sehr warmes Klima und dieser Landesteil ist daher fast durchgehend von tropischem Regenwald bewachsen. Das Zentrum und der Süden des Landes sind hingegen durch ein weitläufiges Gebirge geprägt. Zahlreiche Vulkane bestimmen hier das Landschaftsbild. Der höchste Vulkan - der Tajumulco - hat eine Höhe von 4220 Metern und stellt auch die höchste Erhebung des Landes dar. Die Temperaturen sind hier deutlich gemäßigter, in den höchsten Teilen des Gebirges kann es im Winter sogar sehr kühl werden.

Der Atitlan-See in Guatemala
Der Atitlan-See in Guatemala
Quelle: Wikimedia Commons

Der bevölkerungsreichste Teil des Landes ist die Bergregion im Zentrum und im Süden. Hier befinden sich die größten Städte, wie beispielsweise die Hauptstadt Guatemala Stadt, Mixco, Villa Nueva oder Amatitlán. All diese Städte gehören entweder direkt zum Agglomerationsraum der Hauptstadt oder sie befinden sich nur in geringer Entfernung. Das Hochland stellt nicht nur das Gebiet mit den meisten Einwohnern dar, es ist auch das politische und kulturelle Zentrum des Landes.

Die Geschichte Guatemalas

Die Geschichte Guatemalas wurde zunächst durch das Volk der Maya geprägt. Sowohl das Tiefland im Norden des Landes als auch Teile des Hochlands wurden von diesem Volk besiedelt. Das Gebiet wurde ab etwa 3000 v. Chr. bewohnt, ab 2000 v. Chr. werden die Siedlungen der entstehenden Kultur der Maya zugerechnet. Die Maya-Pyramiden sind weltberühmt, doch konnten darüber hinaus auch die kulturellen Errungenschaften dieses Volks für viel Aufsehen sorgen. Die Mathematik und die Astronomie waren für die damalige Zeit sehr weit fortgeschritten und die Maya waren das einzige Volk des amerikanischen Kontinents, das vor der Eroberung durch die Europäer eine Schriftsprache verwendete. Guatemala ist sehr reich an Zeugnissen der Geschichte dieser Hochkultur, von denen jedoch aufgrund fehlender finanzieller Mittel nur ein geringer Teil freigelegt werden konnte.

Maya-Ruinen in Guatemala
Die Maya-Ruinen von Tikal
Quelle: Wikimedia Commons

Die Maya verließen das Gebiet Guatemalas jedoch bereits im 10 Jh. Sie ließen sich weiter im Norden nieder - auf dem Teil der Halbinsel Yucatán, der heute zu Mexiko zählt. Die Theorien über diese Völkerwanderung sind unterschiedlich, es gilt jedoch als sehr wahrscheinlich, dass es zu dieser Zeit zu einer schweren Dürre kam, sodass die Bevölkerung nicht mehr genügend Nahrungsmittel produzieren konnte. In Guatemala entwickelten sich daraufhin mehrere unabhängige Völker. Den größten Einfluss konnte das Reich der Quiché gewinnen, das sich im zentralen Bergland entwickelte. Bis heute stellen die Quiché die größte indigene Gruppe in Guatemala dar.

Die Eroberung durch die Spanier des Gebiets des heutigen Guatemalas erfolgte 1524. Die Region wurde in das Vizekönigreich Neuspanien eingegliedert, dessen politisches Zentrum in Mexiko lag. Jedoch wurde für die regionale Verwaltung das Generalkapitanat Guatemala eingerichtet, das die Grundlage des heutigen Staates werden sollte. 1639 wurde ein Teil dieses Gebiets durch die Engländer erobert, die dort Britisch-Honduras - aus dem später der Staat Belice wurde - gegründet.

Am 15. September 1821 erklärte Guatemala seine Unabhängigkeit von der spanischen Krone und trat dem Kaiserreich Mexiko bei, von dem es sich jedoch bereits 1823 wieder trennte. Daraufhin wurde Guatemala Mitglied der Zentralamerikanischen Konföderation, der auch die Staaten Nicaragua, Costa Rica, El Salvador und Honduras angehörten. Dieses Staatenbündnis zerbrach jedoch, woraufhin sich in den Jahren 1838-1840 eine kriegerische Auseinandersetzung entwickelte, in deren Rahmen 1939 die Republik Guatemala gegründet wurde.

Bis in die Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts wurde Guatemala von verschiedenen Diktatoren regiert, die häufig durch Putsche an die Macht kamen. 1951 kam Jacobo Árbenz Guzmán an die Regierung und setzte einige Reformen durch, die insbesondere den Kleinbauern zugute kommen sollten. Die USA fühlten sich durch diese Bestrebungen in ihrer Macht bedroht und sorgten für einen Umsturz im Land. Die Folge daraus war eine langjährige Herrschaft des Militärs. Linke Guerrilla-Organisationen kämpften gegen die Militärherrschaft, sodass ein Bürgerkrieg entstand, dem Hunderttausende Menschen zum Opfer fielen.

Der Demokratisierungsprozess setzte ab 1986 mit der Regierung des liberalen Politikers Marco Vinicio Cerezo Arévalo ein. Dieser war zwar ebenfalls nicht demokratisch legitimiert, doch setzte er einige Reformen um, die schließlich dazu führten, dass dessen Nachfolger, Jorge Serrano Elías, in einer demokratischen Wahl gewählt werden konnte.

Das politische System Guatemalas

Präsidentenpalast in Guatemala
Der Präsidentenpalast in Guatemala-Stadt
Quelle: Wikimedia Commons

Der Übergang zur Demokratie, der in diesem Land 1986 stattfand, brachte auch eine neue Verfassung mit sich, die seit diesem Zeitpunkt weitestgehend bestand hat. Darin sind demokratische Grundrechte festgehalten sowie die Gewaltentrennung zwischen der Exekutive, Legislative und der Judikative. Bemerkenswert ist jedoch, dass die Amtszeit der Richter des obersten Gerichtshofs lediglich vier Jahre beträgt und dass diese nach diesem Zeitraum vom Parlament neu bestimmt werden. Dies ermöglicht einen hohen Einfluss der Politik auf die juristischen Entscheidungen. Eine weitere Besonderheit der guatemaltekischen Verfassung besteht darin, dass aktive Angehörige des Militärs kein Wahlrecht haben.

Der Präsident hat in Guatemala eine starke Stellung inne, da er sowohl Staatsoberhaupt als auch Regierungschef ist. Allerdings beträgt die Amtszeit lediglich vier Jahre und eine Wiederwahl ist nicht möglich, wodurch seine Macht zeitlich stark begrenzt ist. Der Präsident wird in freien und geheimen Wahlen direkt vom Volk gewählt. Das Parlament Guatemalas verfügt nur über eine Kammer, der 158 Abgeordnete angehören.

Ein stabiles Parteiesystem konnte sich in Guatemala bislang nicht herausbilden. In der Zeit der Militärherrschaft konnten über Jahrzehnte hinweg keine demokratische politische Vereinigung gebildet werden. Nach der Demokratisierung nahmen die Parteien jedoch ebenfalls keine starke Stellung ein. In der Regel handelt es sich dabei um lockere Bündnisse, die speziell für eine Wahl zusammengestellt werden und die sich danach wieder auflösen. Nach der Jahrtausendwende wurde jedoch die konservative Partei Partido Patriota gegründet, die in den darauffolgenden Jahren immer mehr an Bedeutung gewann und heutzutage die einflussreichste Partei Guatemalas ist.

Guatemala ist föderalistisch gegliedert. Es bestehen 22 Departamentos, die Eigenständigkeit ist jedoch sehr gering. Insbesondere da die Gouverneure der Departamentos nicht von der Bevölkerung gewählt, sondern vom Präsidenten des Landes bestimmt werden, kann man in Guatemala nur von einem äußerst schwach ausgeprägten Föderalismus sprechen.

Die Wirtschaft in Guatemala

Guatemala ist zwar die die größte Volkswirtschaft Mittelamerikas, jedoch ist dieser Umstand der Tatsache geschuldet, dass es das mit Abstand bevölkerungsreichste Land der Region ist. Das Pro-Kopf-Einkommen ist das niedrigste in Zentralamerika und auch der Human-Development-Index bestätigt, dass Guatemala das Land mit dem geringsten Entwicklungsstandard in der Region ist.

Die wichtigste Einkommensquelle Guatemalas ist ohne Zweifel die Landwirtschaft. Kaffee ist eines der bedeutendsten Exportgüter, aber auch andere landwirtschaftliche Produkte wie Zucker, Baumwolle, Bananen und Tabak haben einen wichtigen Anteil am Bruttoinlandsprodukt des Landes. Diese Agrargüter werden in erster Linie für den Export hergestellt.

Das wichtigste Industriegut Guatemalas sind Textilien. Zwar kann das mittelamerikanische Land mit Erfolg Textilprodukte für den Exportmarkt erzeugen, doch sorgen die Produktionsverhältnisse für schwere Kritik durch Arbeits- und Menschenrechtsorganisationen. Die Textilindustrie wurde in speziellen Exportproduktionszonen (EPZ) angesiedelt. Hier bezahlen die Konzerne kaum Steuern und auch die Gesetze hinsichtlich der Arbeitsbestimmungen werden in großem Maße ausgehebelt. Die Kritik bezieht sich zum einen darauf, dass die Arbeiter hier stark ausgebeutet werden, zum anderen aber auch darauf, dass der volkswirtschaftliche Nutzen nur sehr gering ist, da die Betriebe kaum Steuern zahlen und der größte Teil des Gewinns wieder aus dem Land abgezogen wird.

Ein Vulkan in Guatemala
Der Vulkan San Pedro
Quelle: Wikimedia Commons

Seit etwa zwanzig Jahren konnte sich auch der Tourismus in Guatemala zu einer wichtigen Einkommensquelle entwickeln. Die natürliche Schönheit des guatemaltekischen Hochlands, die kolonialen Hinterlassenschaften der Spanier und in besonderem Maße die Ruinen der Maya-Städte ziehen die Urlauber an. Wichtige Urlaubsziele in Guatemala sind daher auch der Atitlán-See, Antigua Guatemala - die alte Hauptstadt des Landes, die durch koloniale Architektur geprägt ist - und die Mayastadt Tikal.

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