Nachrichten aus Lateinamerika

Nordamerika




Nicaragua

Reliefkarte Nicaragua
Die Geografie Nicaraguas
Quelle: Wikimedia Commons

Nicaragua liegt im Zentrum Mittelamerikas und ist mit etwa 5,7 Millionen Einwohnern nach Panama und Costa Rica das drittkleinste Land des Subkontinents. Nicaragua hat nur zwei Nachbarländer, Honduras im Norden und Costa Rica im Süden. Darüber hinaus verfügt es über weitläufige Küstenabschnitte am Karibischen Meer und am Pazifischen Ozean. Die Hauptstadt des Landes ist Managua, das im Westen des Landes am Ufer des Managuasees liegt und etwa 1,8 Millionen Einwohner zählt.

Die Geographie Nicaraguas

Ein Vulkan in Nicaragua
Der Momotombo-Vulkan in Nicaragua
Quelle: Wikimedia Commons

Nicaragua wird durch zwei große Binnenseen geprägt, den Managuasee und den deutlich größeren Nicaraguasee. Beide befinden sich im westlichen Landesteil. Das Zentrum des Landes besteht aus einer Vulkankette, die sich parallel zur Pazifikküste durch das Land zieht. In diesem Gebiet befindet sich auch der höchste Berg Nicaraguas, der Pico Mogotón mit einer Höhe von 2107 Metern. (Manchmal wird auch eine Höhe von 2438 Metern angegeben. Dies liegt daran, dass der Berg eine Doppelspitze hat, deren höherer Teil jedoch bereits zu Honduras zählt.) Östlich der Bergkette schließt sich eine weitläufige Ebene an, die von tropischem Regenwald beherrscht wird und die bis zur Karibikküste reicht. Diese Region ist nur extrem dünn besiedelt und viele Nachfahren der Ureinwohner konnten in diesem Gebiet traditionelle Lebensformen aufrechterhalten. Die wichtigsten Städte des Landes sind neben der Hauptstadt Managua León, Chinandega, Masaya und Granada, die sich alle im westlichen Landesteil befinden. Das Klima ist im ganzen Land tropisch, wobei es in der Gebirgsregion deutlich kühler als an den Küsten ist.

Die Geschichte Nicaraguas

Die Kathedrale in Managua, Nicaragua
Die Kathedrale im Zentrum Managuas
Quelle: Wikimedia Commons

Vor der Ankunft der Spanier war Nicaragua ein für die damalige Zeit relativ dicht besiedeltes Gebiet, in dem Völker mit einem hohen kulturellen Niveau lebten. Die Stämme im Westen des Landes waren kulturell eng mit den Azteken weiter im Norden verbunden. Der Osten war deutlich dünner besiedelt und die dort lebenden Menschen stammten ursprünglich aus Panama und Kolumbien, weshalb sie sich in Kultur und Sprache deutlich von den Bevölkerung im Westen unterschieden.

Die Spanier gingen im Gebiet Nicaraguas erstmals 1502 an Land. Die ersten Siedlungen wurden jedoch erst gut 20 Jahre später errichtet. Da die Spanier in Nicaragua auf Widerstand stießen, begannen sie einen blutigen Krieg gegen die Eingeborenen, der das Land zu großen Teilen entvölkerte. Da sich die spanische Herrschaft auf die westlichen Landesteile konzentrierte, konnten sich im Osten zunächst viele indigene Stämme behaupten. Allerdings konnte Großbritannien in diesem Gebiet seinen Einfluss immer weiter ausbauen, ohne die Region jedoch offiziell zu einer Kolonie zu erklären. 1860 zogen sich die Briten jedoch aus diesem Gebiet zurück und überließen es mit dem Vertrag von Managua offiziell Nicaragua.

Bereits im 18. Jahrhundert gab es einige vereinzelte Aufstände in Nicaragua gegen die Kolonialherrschaft. Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts in ganz Lateinamerika die Revolution gegen die spanische Herrschaft ausbrach, regte sich auch in Nicaragua der Widerstand. 1821 verkündete das Vizekönigreich Guatemala, zu dem Nicaragua zu dieser Zeit zählte, seine Unabhängigkeit. Kurze Zeit später wurde das GebietTeil des Kaiserreiches Mexiko. In den darauffolgenden Jahren wurden verschiedene Staatenbünde gegründet, zu denen auch Nicaragua zählte. 1838 wurde das Land schließlich unabhängig.

Nach der Unabhängigkeit wurde der Rest des 19. Jahrhunderts durch Bürgerkriege und zahlreiche Interventionen ausländischer Mächte geprägt. Die USA und Großbritannien intervenierten militärisch in Nicaragua und selbst das deutsche Kaiserreich machte auf militärischem Wege seine Interessen in diesem Land geltend. Die militärischen Interventionen in Nicaragua verstärkten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts sogar noch und Nicaragua wurde zwischen 1912 und 1933 von den USA besetzt. Doch bereits seit 1927 war der Bürgerkrieg wieder aufgeflammt. Der Anführer gegen die Besetzung durch die USA war General Augusto Sandino. Nach einem Friedensabkommen im Jahre 1933 verließen die US-Truppen das Land und die Truppen Sandinos gaben ihre Waffen ab. Die Nationalgarde nutzte diese Situation, um die nun wehrlosen Truppen Sandinos weiterhin zu bekämpfen. 1934 wurde Sandino schließlich zu einem politischen Bankett geladen, auf dem er im Auftrag der Regierung ermordet wurde.

Drei Jahre nach diesem Mordanschlag putschte der Oberbefehlshaber der Nationalgarde, Anastasio Somoza gegen den Präsidenten und ließ sich selbst zum Staatsoberhaupt wählen. Obwohl Nicaragua zu dieser Zeit offiziell ein demokratisches System war, wurden die Wahlen gefälscht und die Opposition unterdrückt. Die Herrscherfamilie nutzte ihre Stellung, um unglaubliche Reichtümer anzuhäufen, während große Teile der Bevölkerung in bitterster Armut lebten. 1967 wurde der Machthaber durch seinen gleichnamigen Sohn abgelöst, das Herrschaftssystem blieb jedoch erhalten und verschlimmerte sich sogar in manchen Bereichen.

1979 erhob sich eine Gruppe, die sich in Anlehnung an den 1934 ermordeten Augusto Sandino als Sandinisten bezeichnete, gegen die Herrschaft Somozas. Da dieser kaum Rückhalt in der Bevölkerung hatte, brachte die Nicaraguanische Revolution einen schnellen Erfolg. Es wurden große Fortschritte im Bereich der Bildung und der Armutsbekämpfung gemacht. Allerdings regte sich 1980 in den USA Widerstand gegegen die nicaraguanische Regierung, weshalb Häfen vermint wurden und eine paramilitärische Gruppe, die Contras, gebildet wurde. Diese ging brutal gegen die Bevölkerung vor, mit dem Ziel, die Lebenssituation zu verschlechtern und so die Unterstützung für die Regierung zu brechen. Obwohl die Sandinisten bei der nächsten Wahl trotz der immer schlimmer werdenden Situation noch die Mehrheit erringen konnte, erlitten sie schließlich 1990 eine Wahlniederlage, weshalb der Plan der USA letztendlich erfolgreich war. Seit diesem Zeitpunkt konnte Nicaragua weitestgehend befriedet werden und es entwickelten sich demokratische Strukturen.

Politik und Wirtschaft in Nicaragua

Managua, die Hauptstadt Nicaraguas
Blick auf die Hauptstadt Managua
Quelle: Wikimedia Commons

Seit den Reformen, die im Jahr 1987 durchgeführt wurden, ist Nicaragua eine präsidiale Republik, in der der Präsident sowohl Staatsoberhaupt als auch Regierungschef ist. Das Parlament Nicaraguas, die Asamblea Nacional besteht nur aus einer Kammer, die Abgeordneten werden alle fünf Jahre gewählt. Der Präsident wird für den gleichen Zeitraum in einer direkten Wahl bestimmt.

Nicaragua zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Nach Haiti ist es das ärmste Land des amerikanischen Kontinents. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung des Landes lebt in Armut. Insbesondere auf dem Land ist die Quote sehr hoch. 2005 kam es in Nicaragua zu einer schweren Hungersnot, unter deren Folgen die Bevölkerung bis heute leidet. Nicaragua exportiert beinahe ausschließlich landwirtschaftliche Güter, die nicht im Land weiterverarbeitet werden und daher nur eine geringe Wertschöpfung haben.

Zu Nicaragua sind bisher folgende Artikel erschienen:

Regierung stellt Projekt für den Kanalbau vor

06.06.2013 Der Nicaragua-Kanal soll den Atlantik mit dem Pazifik verbinden und wird eines der größten Bauprojekte der Welt sein. Heute stellt die Regierung einen Gesetzentwurf vor, der den Bau einleiten soll. mehr>

Windkraft für die Senkung der Energieimporte

16.05.2013 Die Kosten für den Import von Energie stellen eine große Belastung für die Volkswirtschaft Nicaraguas dar. Umweltfreundliche Windkraft leistet nun einen Beitrag dazu, die Importe zu reduzieren. mehr>

Verschärfung der Konflikte mit Kolumbien

03.09.2012 Nicaragua erhebt bereits seit Langem Anspruch auf eine zu Kolumbien gehörige Inselgruppe. Nachdem das Land bisher auf zivilem Wege versuchte, seine Ansprüche geltend zu machen, beginnt nun auch das militärische Säbelrasseln. mehr>

Nicaragua verklagt Kolumbien vor Internationalem Gerichtshof in Den Haag

23.04.2012 Nicaragua verlor vor etwa achtzig Jahren eine Inselgruppe in der Karibik an Kolumbien. Heute begann der Prozess vor dem Internationalen Gerichtshof, um den Streit um die Inseln zu klären. mehr>

 





© Harald Angles