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Panama

Reliefkarte Panama
Die Geografie Panamas
Quelle: Wikimedia Commons

Panama ist insbesondere aufgrund des Panamakanals bekannt, der eine der wichtigsten Verbindungen für die Schifffahrt zwischen dem Atlantischen und dem Pazifischen Ozean darstellt. Das Land hat nur etwa 3,5 Millionen Einwohner und ist damit eines der kleinsten Länder Lateinamerikas. Doch ist Panama das Land mit dem höchsten Durchschnittseinkommen in Zentralamerika und auch der Entwicklungsstandard ist nach dem Human Development Index der höchste in dieser Region.

Wo liegt Panama?

Eine Brücke über den Panamakanal
Der Panamakanal zerteilt das Land
Quelle: Wikimedia Commons

Die Frage, wo Panama liegt, ist nicht immer ganz eindeutig zu klären. Dies liegt daran, dass für die Ausdrücke Mittelamerika und Zentralamerika verschiedene Definitionen vorliegen. In der Regel werden diese Gebiete so definiert, dass Panama am südlichen Ende Zentralamerikas liegt. Es gibt jedoch auch einige Wissenschaftler, die Panama nicht als Teil dieser Region betrachten. Dies hat historische Gründe. Panama gehörte im 19. Jahrhundert zu Kolumbien - einem Land, das zum größten Teil in Südamerika liegt. Die politischen Beziehungen zu den übrigen zentralamerikanischen Staaten waren nur gering ausgeprägt, sodass bis heute einige Forscher Panama nicht zu Zentralamerika zählen. Aufgrund der geografischen Strukturen ist mittlerweile jedoch die Auffassung weit verbreitet, dass Panama ebenfalls zu Zentralamerika zu zählen ist.

Panama hat zwei Nachbarstaaten, Kolumbien im Osten und Costa Rica im Westen. Im Norden wird das Land vom karibischen Meer eingegrenzt, im Süden grenzt das Land an den Pazifischen Ozean. Die Fläche Panamas beträgt rund 70.000 Quadratkilometer - etwas mehr als ein Fünftel der Fläche der Bundesrepublik. Die Einwohnerzahl beträgt lediglich 3,5 Millionen Einwohner. Die Bevölkerungsdichte ist daher sehr gering.

Panama ist ein schmales Land, das den Pazifischen Ozean vom Atlantik trennt. An der schmalsten Stelle beträgt die Landmasse lediglich 82 Kilometer. An diesem Punkt durchtrennt der bekannte Panamakanal das Land. Die höchste Erhebung des Landes ist der Vulkan Barú mit 3477 Metern. Panama ist in neun Provinzen und fünf Territorien gegliedert. Diese letztgenannten fünf Territorien orientieren sich an den indigenen Bevölkerungsgruppen, die in den jeweiligen Gebieten die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen. Die größte Provinz ist Panama in der Umgebung der Hauptstadt, in der etwa 50 Prozent der Gesamtbevölkerung leben. In diesem Gebiet befinden sich auch die drei größten Städte des Landes - Panama-Stadt, San Miguelito und Tocumen.

Die Geschichte Panamas

Tropenstrand in Panama
Panama bietet den Urlaubern traumhafte Strände
Quelle: Wikimedia Commons

Der heutige Staat Panama liegt in einem Gebiet, das eine sehr interessante Frühgeschichte aufweist. Die Besiedlung dieser Region erfolgte bereits vor etwa 12.000 Jahren. Im Zentrum des Landes lagen beispielsweise die ersten Dörfer des amerikanischen Kontinents, in denen nach bisherigem Kenntnisstand die Bewohner die Fertigkeit der Töpferei entwickelten.

Die ersten Europäer erkundeten 1501 dieses Gebiet. Große Bedeutung erlangte Panama ab 1513, als Vasco Núñez de Balboa entdeckte, dass die Landmasse Panamas nur sehr schmal war und einen recht einfachen Zugang zum Pazifik ermöglichte. 1519 wurde Panama-Stadt an der Pazifikküste gegründet. Diese Stadt sollte ein wichtiges Wirtschaftszentrum des spanischen Weltreiches werden. Die Spanier brachten Gold und Silber aus Peru per Schiff nach Panama, um die Edelmetalle dann über den Landweg an die Atlantikküste zu transportieren. Von dort beförderten die Eroberer sie schließlich nach Spanien. Panama wurde zu einem der wichtigsten Handelszentren des amerikanischen Kontinents. Während dieser Zeit festigten die Spanier ihre Herrschaft in diesem Gebiet und rotteten die ursprünglichen Bewohner fast vollständig aus.

Als Panama 1821 seine Unabhängigkeit erklärte, vereinte sich das Gebiet mit Kolumbien, Venezuela und Ecuador zur Republik Großkolumbien, die unter der Herrschaft Simón Bolívars stand. Bereits zu dieser Zeit versuchte Panama zwei Mal erfolglos, die Unabhängigkeit von Großkolumbien zu erreichen. Auch als der Staat Großkolumbien 1831 auseinanderfiel unternahm Panama einen erneuten Versuch, der Herrschaft Kolumbiens zu entrinnen, der jedoch auch dieses Mal scheiterte. Panama wurde wieder in die Republik Neugranada - die Nachfolgeorganisation des Staates Großkolumbien - eingegliedert. Ein weiterer Versuch, die Unabhängigkeit zu erreichen, fand 1840 statt. Obwohl Panama dieses Mal seine Selbstständigkeit etwas mehr als ein Jahr lang verteidigen konnte, war auch in diesem Fall die Situation nicht von Dauer. In den darauffolgenden Jahrzehnten blieb Panama zwar Teil Kolumbiens, allerdings konnte die Provinz eine sehr weitreichende Autonomie erreichen. Erst als Kolumbien 1886 wieder die Zentralregierung einführte, änderte sich dieser Zustand.

Die weitere Geschichte Panamas steht in engem Zusammenhang mit dem Kanalbau. Bereits im sechzehnten Jahrhundert hatte die spanische Krone Pläne für einen Kanal in Panama entwickelt, verfolgte diese jedoch zunächst nciht weiter. 1855 wurde eine Transkontinentale Eisenbahnlinie errichtet, die die Atlantikküste mit der Pazifikküste verband und eine der wichtigsten Infrastrukturmaßnahmen für den späteren Kanalbau darstellen sollte. Zwischen 1880 und 1889 arbeitete die französische Gesellschaft Compagnie Universelle du Canal Interocéanique daran, einen Kanal in Panama zu bauen. Allerdings mussten die Arbeiten aufgrund technischer und finanzieller Probleme eingestellt werden. 1902 meldeten die USA jedoch Interesse daran an, die Arbeiten weiterzuführen. Allerdings forderten sie dafür, dass Kolumbien dieses Gebiet an die USA abtrete. Dies wurde jedoch verweigert, sodass die US-Streitkräfte das Gebiet militärisch eroberten. Die Besatzer riefen daraufhin den unabhängigen Staat Panama aus, behielten jedoch die Hoheitsrechte über einen 80 Kilometer langen und 16 Kilometer breiten Landstreifen, auf dem später der Panamakanal gebaut werden sollte.

In den darauffolgenden Jahren war Panama formal eine Demokratie. Allerdings wurde das Land von oligarchischen Machthabern regiert, die viele demokratische Werte missachteten und insbesondere die ärmeren Bevölkerungsteile nicht in das politische und soziale Leben integrierte. 1968 kam es schließlich zu einem Militärputsch nach dem sich schließlich der General Omar Torrijos als entscheidende politische Figur im Lande durchsetzen konnte. Obwohl Torrijos Regime sehr brutal vorging, konnte es dennoch auf eine breite Unterstützung in der Bevölkerung zählen, da es die vormals aus den politischen Prozessen ausgeschlossenen Menschen erfolgreich in das System integrierte. Als Torrijos 1981 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, konnte der General Manuel Noriega die Macht erlangen. In den darauffolgenden Jahren verschlechterten sich die Beziehungen zu den USA zunehmend. Die US-Regierung fürchtete, Einfluss in Panama zu verlieren, was sich auch auf die Kontrolle der Kanalzone auswirken könnte. Daher versuchten sie, die Opposition im Lande zu stärken. Nachdem die Wahlen 1989 abgebrochen wurden, beschuldigten sich beide Seiten gegenseitig der Wahlfälschung. Es kam zu bürgerkriegsählichen Auseinandersetzungen, sodass schließlich US-Truppen ins Land einmarschierten, um die Ordnung wiederherzustellen. Nachdem die USA den Oppositionskandidaten an die Macht brachten, entwickelte sich in den darauffolgenden Jahren ein demokratisches System.

1999 konnte Panama schließlich die Souveränität über das gesamte Staatsgebiet erlangen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die USA die Hoheit über die Kanalzone inne. Bereits 1977 unterzeichneten die USA und Panama einen Vertrag, der die Übergabe der Kanalzone sowie der Militärstützpunkte, die sich in diesem Gebiet befanden, für das Jahr 1999 vorsah. Seitdem ist der Kanal unveräußerliches Eigentum des panamaischen Volkes. Allerdings besteht nach wie vor ein Interventionsrecht für die USA.

Das politische System Panamas

Panama-Stadt
Panama-Stadt: Das politische Zentrum des Landes
Quelle: Wikimedia Commons

Panama ist eine konstitutionelle Demokratie, in der das Volk die Regierung in freien Wahlen bestimmt. Es ist eine präsidentielle Republik, was bedeutet, dass der Präsident Panamas sowohl Regierungschef als auch Staatsoberhaupt ist und darüber hinaus auch mit weitgehenden Vollmachten ausgestattet ist. Er wird alle fünf Jahre in einer direkten Wahl vom Volk gewählt.

Panama hat ein Einkammern-Parlament, in dem die Gesetze verabschiedet werden. In diesem Parlament befinden sich traditionell die Vertreter mehrerer unterschiedlicher Parteien, weshalb die Parteienlandschaft als Mehrparteiensystem beschrieben werden kann. Die dominierenden Parteien im Land sind Partido Revolucionario Democrático, Partido Panameñista und in den letzten Jahren wurde auch die Partei Cambio Democrático immer bedeutender, die den aktuellen Präsidenten stellt.

Panama hat ein föderales System, das durch neun Provinzen und fünf Territorien gegliedert ist. Die Territorien umfassen die Gebiete, in denen bis heute mehrheitlich die Nachfahren der Ureinwohner des Landes leben. Diesen Gebieten räumte die Regierung besondere Rechte zur Selbstverwaltung ein.

Die Wirtschaft Panamas

Ein Schiff im Panamakanal
Der Panamakanal bringt hohe Gewinne
Quelle: Wikimedia Commons

Panama ist das Land mit dem höchsten durchschnittlichen Einkommen in Zentralamerika und nimmt auch im Vergleich mit der gesamten Region Lateinamerika einen der vorderen Plätze ein. Auch hinsichtlich des Human Development Index sind die Positionen, die das Land erreicht, ähnlich. Dazu kommt, dass Panama seit Mitte der neunziger Jahre das am schnellsten wachsende Land Lateinamerikas ist.

Die Gründe hierfür sind vielfältig. Einer der wichtigsten Bestandteile des panamaischen Erfolgs ist sicherlich die Übergabe des Panamakanals 1999. Die Gelder aus den Kanalgebühren stellen eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes dar. Außerdem sind im Land sehr viele Schiffe registriert, da hier die Steuern niedrig und die Registrierungsverfahren unbürokratisch sind. Viele Beobachter machen auch die liberalen Reformen, die das Land umsetzte, für den wirtschaftlichen Erfolg des Landes verantwortlich.

Der mit Abstand wichtigste Sektor in der panamaischen Wirtschaft ist der Dienstleistungssektor. Etwa 75 Prozent der Wirtschaftsleistung wird in diesem Bereich erbracht. Immer wichtiger wird auch die Bedeutung des Tourismus. Mittlerweile besuchen etwa 2 Millionen Touristen jährlich das kleine Land. Die tropischen Strände und der vergleichsweise hohe Komfort und die Sicherheit im Land sind die Gründe dafür, dass immer mehr Reisende das Land aufsuchen. Ein Urlaub in Panama wird insbesonder für die Bewohner Nordamerikas zu einer immer beliebteren Alternative. Die Industrie spielt hingegen in der Wirtschaft Panamas nur eine untergeordnete Rolle. Sie stellt fast ausschließlich Güter für den Binnenmarkt her. Auch die Landwirtschaft hat im Vergleich zu den meisten anderen lateinamerikanischen Staaten nur eine geringe Bedeutung. Hier werden in erster Linie Tropenfrüchte wie Bananen, Zuckerrohr oder Ananas angebaut.

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