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Paraguay

Reliefkarte Paraguay
Die Geografie Paraguays
Quelle: Wikimedia Commons

Paraguay ist ein Staat im Zentrum Südamerikas. Neben Bolivien ist Paraguay das einzige Land Lateinamerikas, das über keinen direkten Zugang zum Meer verfügt. Paraguay grenzt im Norden und Osten an Brasilien, im Süden an Argentinien und im Nordwesten an Bolivien. Obwohl Paraguay nicht am Meer liegt, verfügt es über die Flüsse Río Paraguay und Río Paraná über eine gute Anbindung an die internationalen Handelswege. Mit einer Fläche von etwa 407.000 Quadratkilometern ist Paraguay etwas größer als die Bundesrepublik Deutschland, allerdings hat das Land mit nur etwas mehr als 6 Millionen Einwohnern eine deutlich geringere Bevölkerung. Insbesondere der westliche Teil Paraguays ist äußerst dünn besiedelt. Obwohl der Bereich westlich des Río Paraguay, der Gran Chaco genannt wird, etwa 60 Prozent der Landesfläche ausmacht, leben hier nur etwa drei Prozent der Bevölkerung.

Die Geschichte Paraguays

Eine Ruine der Jesuiten
Ruine der Jesuiten in Paraguay
Quelle: Wikimedia Commons

Vor der Eroberung durch die Spanier war das heutige Paraguay das Zentrum des Volks der Guaraní, dessen Herrschaft sich nicht nur über Paraguay erstreckte, sondern auch weite Teile des Staatsgebiets der Länder Argentinien, Brasilien, Bolivien und Uruguay umfasste. Jedoch waren die Guaraní in viele einzelne Stämme unterteilt, die zwar ähnliche Sprachen verwendeten, deren Zusammengehörigkeit jedoch nur lose war.

Die ersten Europäer betraten 1524 das Gebiet Paraguays. Eine Expedition unter Führung von Alejo Garcia durchquerte dabei den Chaco. Dauerhaft besiedelt wurde das Gebiet jedoch erst 1537, als die Festung Nuestra Señora Santa María de la Asunción gegründet wurde, aus der sich später die heutige Hauptstadt Asunción entwickeln sollte. Das Gebiet Paraguays gehörte zunächst zum Vizekönigtum Peru. Im Gebiet Paraguays hatte der Jesuitenorden einen großen Einfluss, was die Entwicklung der Region stark prägen sollte. Die Jesuiten christianisierten die Ureinwohner zwar, doch waren sie stets darum bemüht, die ursprüngliche Bevölkerung zu schützen und zu entwickeln. Die landwirtschaftlichen Betriebe, die von Jesuiten und Ureinwohnern zusammen betrieben wurden, sorgten dafür, dass sich die traditionellen Volksstämme in Paraguay sehr gut behaupten konnten und außerdem waren die Unternehmungen auch wirtschaftlich sehr erfolgreich, sodass Paraguay zu dieser Zeit eine sehr wohlhabende Kolonie wurde. Da der große Erfolg der Jesuiten jedoch auch zu Neid und Missgunst führte, wurden sie 1767 aus Südamerika vertrieben. 1776 wurde Paraguay schließlich in das neu geschaffene Vizekönigreich Río de la Plata eingegliedert.

Der Berg Tres Kandu in Paraguay
Tres Kandu: Der höchste Berg Paraguays
Quelle: Wikimedia Commons

Als Argentinien 1810 seine Unabhängigkeit verkündete, wurde das Vizekönigreich Río de la Plata, zu dem Paraguay gehörte, aufgelöst. Argentinien, das sich als Nachfolger der spanischen Herrschaft betrachtete, beanspruchte daraufhin auch das Gebiet Paraguays. Die lokalen Machthaber widersetzten sich jedoch diesem Ansinnen und hatten die Absicht, spanische Kolonie zu bleiben. Erst ein Jahr später konnten sich auch in Asunción die Befürworter der Lossagung von Spanien durchsetzen. Jedoch entschied sich Paraguay gegen eine Zugehörigkeit zu Argentinien und verkündete seine Unabhängigkeit. Paraguay entwickelte sich in den darauffolgenden Jahren zu einem der fortschrittlichsten Staaten Lateinamerikas. Im Bereich der Bildung konnten große Fortschritte erzielt werden und die Alphabetisierungsquote war deutlich höher als in den anderen Ländern der Region. Auch wirtschaftlich war diese Zeit sehr erfolgreich für Paraguay, was sich beispielsweise darin ausdrückte, dass das Eisenbahnnetz in Paraguay deutlich besser als in den Nachbarländern entwickelt war. Jedoch führte 1864 der Tripel-Allianz-Krieg, in dem Argentinien, Brasilien und Uruguay gegen Paraguay kämpften, zu einem jähen Ende dieser Entwicklungen. In diesem Krieg verloren etwa drei Viertel der paraguayischen Bevölkerung das Leben und die Siegermächte annektierten etwa 50 Prozent des Staatsgebiets.

In den darauffolgenden Jahren war Paraguay von wirtschaftlicher und politischen Instabilität geprägt. Es kam mehrere Male zu gewaltsamen Regierungswechseln. 1954 schließlich putschte der deutschstämmige General Alfredo Stroessner gegen die damalige Regierung und konnte eine 35 Jahre andauernde Militärdiktatur einrichten. Er übernahm dabei auch die Macht innerhalb der traditionellen konservativen Colorado-Partei. 1989 wurde Stroessner durch einen Militärputsch abgelöst, jedoch konnte die Coloradopartei bis 2008 alle Wahlen gewinnen und stellte daher bis zu diesem Zeitpunkt die Regierung.

Politik und Wirtschaft in Paraguay

Der Präsidentenpalast in Asunción
Der Sitz der Regierung
Quelle: Wikimedia Commons

Obwohl in Paraguay der Präsident sowohl Staats- als auch Regierungschef ist und in direkten Wahlen gewählt wird, ist Paraguay im Gegensatz zu den meisten anderen lateinamerikanischen Staaten keine klassische präsidiale Republik. Dies liegt insbesondere daran, dass der paraguayische Kongress, der aus zwei Kammern - dem Abgeordnetenhaus und dem Senat - besteht, das Recht zu einem Amtsenthebungsverfahren hat. Von diesem Recht machte der Kongress auch 1999 und 2012 Gebrauch. Obwohl seit dem Ende der Diktatur Stroessners die Regierung Paraguays in demokratischen Wahlen ermittelt wird, gilt Paraguay nur als stark eingeschränkte Demokratie und wichtige bürgerliche Freiheiten sind eingeschränkt. Es kam zu häufigen Putschversuchen, die jedoch immer abgewehrt werden konnten. Die Politik Paraguays steht im Ruf, sehr korrupt zu sein.

Rinderzucht in Paraguay
Die Rinderzucht ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor
Quelle: Wikimedia Commons

Die Wirtschaft Paraguays beruht in erster Linie auf dem Sektor der Dienstleistungen, der mehr als 50 Prozent des BIP ausmacht. An zweiter Stelle steht der Agrarsektor, der insbesondere durch den Export von Soja zu einem erheblichen Teil an den Ausfuhren Paraguays beteiligt ist, doch auch die Fleischproduktion ist hier ein wichtiger Bereich. Die beiden Wasserkraftwerke Itaipú und Yacyretá, die jeweils in Kooperation mit Brasilien und Argentinien an den jeweiligen Grenzen gebaut wurden, haben mit etwa 9 Prozent ebenfalls einen erheblichen Anteil am BIP. Die Anlagen wurden mit brasilianischem beziehungsweise argentinischen Kapital errichtet und auch die Technik stammt aus den jeweiligen Nachbarländern. Das vergleichsweise arme und rückständige Paraguay stellte lediglich die benötigten Flächen zur Verfügung. Paraguay ist nach Angaben des Human Development Index (2011) von 0,665 zusammen mit Bolivien (HDI 0,663) das unterentwickeltste Land Südamerikas.

Die Kultur in Paraguay

Der Schutz, den die Ureinwohner durch die Jesuiten erfuhren, führte dazu, dass sich dir ursprünglichen Völker Paraguays recht gut erhalten konnten. Zwar machen die eigentlichen Nachfahren der Ureinwohner nur etwa ein Prozent der Bevölkerung aus, doch zählt der überwiegende Teil der Paraguayer zu den Mestizen, einer Mischung aus den Ureinwohnern und den europäischen Einwanderern. Diese Mischung wurde auch im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert von den Regierungen gefördert. Etwa 85 Prozent der Bevölkerung Paraguays geben an, vorwiegend Guaraní zu sprechen. Nur etwa zehn Prozent geben Spanisch als Muttersprache an, wobei sich diese Gruppe in erster Linie auf die Hauptstadt Asunción konzentriert. Allerdings gilt der überwiegende Teil der Paraguayer als zweisprachig. Die Sprache Guaraní wurde von den Jesuiten akzeptiert und auch als Schriftsprache eingeführt. Aus diesem Grund ist Paraguay einer der wenigen Staaten Lateinamerikas, in denen zum überwiegenden Teil die Sprache der Ureinwohner gesprochen wird.

Zu Paraguay sind bisher folgende Artikel erschienen:

Gipfeltreffen zwischen Bolivien und Paraguay

29.06.2015 Die Präsidenten der beiden Nachbarländer trafen heute in Asunción zusammen. Eines der wichtigsten Gesprächsthemen stellt dabei die Kooperation in der Energieversorgung dar. mehr>

EU erteilt Exporterlaubnis für Rindfleisch

14.05.2015 Nach einem vierjährigen Einfuhrverbot für paraguayisches Rindfleisch erlaubten die europäischen Behörden nun wieder die Fleischexporte. mehr>

Paraguay soll nicht an Iberoamerika-Gipfel teilnehmen

17.09.2012 Da verschiedene Teilnehmer ihrerseits auf eine Teilnahme verzichten würden, sollte die neue Regierung Paraguays teilnehmen, soll das Land nun freiwillig auf eine Teilnahme verzichten, um ein breiteres Teilnehmerfeld zu garantieren. mehr>

Ausschluss vom Mercosur-Gipfel beschlossen

25.06.2012 Aufgrund des Machtwechsels in Paraguay beschlossen die übrigen Mitgliedsstaaten, dass Paraguay nicht am Mercosur-Gipfel teilnehmen dürfe. mehr>

Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Lugo

22.06.2012 Der Kongress Paraguays hat den Präsidenten Fernando Lugo aus dem Amt enthoben. Die Maßnahme führte zu Unruhen in Paraguay und erfuhr harte Kritik aus den Nachbarländern. mehr>

 





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