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Peru

Reliefkarte Peru
Die Geografie Perus
Quelle: Wikimedia Commons

Peru ist eines der Länder Südamerikas, die besonders bekannt sind. Dies liegt sicherlich zu einem großen Teil an der geschichtlichen Bedeutung, die dieses Land hat. Zu Beginn der Kolonisation war Peru das Zentrum der spanischen Herrschaft in Südamerika und spielte eine wichtige Rolle für die Politik des Subkontinents. Doch bereits vor der Eroberung durch die Spanier war dieses Land sehr wichtig für die Region. Hier entwickelte sich das Reich der Inka, die für lange Zeit das mächtigste Volk Südamerikas waren.

Die Inka hinterließen viele bedeutende Bauwerke, die auch heute noch Tausende Besucher anziehen. Peru ist eines der Länder der Region, das selbst für euopäische Besucher ein beliebtes Reiseziel darstellen. Der bekannteste Besuchermagnet ist sicherlich die Ruinenstadt Machu Picchu. Die Mischung aus den Hinterlassenschaften der Inka und den kolonialen Einflüssen der spanischen Eroberer lässt in Peru eine Kultur entstehen, die auf viele Besucher eine große Faszination ausübt.

Wo liegt Peru?

Die Gebirgskette der Anden durchzieht Peru
Die Bergwelt in Peru
Quelle: Wikimedia Commons

Peru liegt im Westen Südamerikas. Die Nachbarstaaten sind im Norden Kolumbien und Ecuador, im Osten Brasilien und im Süden Bolivien und Chile. Im Westen grenzt Peru an den Pazifischen Ozean. Das Land teilt sich von West nach Ost in drei verschiedene geografische Bereiche. Die Küstenebene ist ein schmaler Landstrich, in dem jedoch die größten und bedeutendsten Städte des Landes liegen. Darunter befindet sich die Hauptstadt Lima. An die Küstenebene schließt sich die Gebirgskette der Anden an. Auch hier gibt es einige bedeutende Städte, dieser Landesteil ist jedoch wirtschaftlich und politisch von geringerer Bedeutung. Der östliche Landesteil besteht aus tropischem Regenwald. Diese Region ist weit abgelegen, schwer zugänglich und dünn besiedelt. Die Wirtschaft in diesem Landesteil hat große Probleme. Die schlechte Infrastruktur macht jede wirtschaftliche Unternehmung in diesem Gebiet sehr schwierig. Iquitos, die wichtigste Stadt des Amazonasgebiets, ist beispielsweise nur per Boot oder per Flugzeug zu erreichen.

Ein schwimmendes Dorf auf dem Amazonas
Das Amazonasbecken im Osten Perus
Quelle: Wikimedia Commons

Mit einer Fläche von knapp 1,3 Millionen Quadratkilometern ist Peru hinter Brasilien und Argentinien das Land mit der drittgrößten Fläche Südamerikas. Mit knapp 30 Millionen Einwohnern liegt Peru hinsichtlich der Bevölkerung an vierter Stelle in Südamerika.

Die Geschichte Perus

Die Ruinen der Inka-Stadt Machu Picchu
Die Inka-Stadt Machu Picchu
Quelle: Wikimedia Commons

Das Gebiet des heutigen Perus wurde bereits vor mehr als 10.000 Jahren besiedelt. Manche Forscher kommen sogar zu dem Ergebnis, dass sich in Peru bereits 20.000 vor Christus die ersten Menschen angesiedelt haben. Dabei entstanden in diesem Gebiet einige Hochkulturen, deren technisches und astronomisches Wissen für Erstaunen sorgt, da es die Kenntnisse der Europäer dieser Zeit bei Weitem übertraf. Besonders die Kultur der Inka liefert ein reichhaltiges Erbe an Kulturschätzen. Die Hinterlassenschaften dieses Volks sind auch heute noch für die peruanische Tourismus-Industrie von großer Bedeutung.

Das Gebiet Perus wurde 1524 zum ersten Mal von den Spaniern erreicht. Der Anführer der Mission, Francisco Pizarro, sah sich jedoch zu schwach für eine Eroberung und kehrte um. Er bat bei der spanischen Krone um Erlaubnis, dieses Gebiet einzunehmen und kehrte 1531 mit einer größeren Streitmacht zurück. Das Inkareich erholte sich zu diesem Zeitpunkt gerade von einem Bürgerkrieg. Es waren Legenden im Umlauf, dass weiße bärtige Männer zum Untergang des Inkareichs führen würden. Diese Situation vereinfachte das Bestreben der Spanier erheblich. Dazu kam, dass die Inka etwas leichtgläubig waren und so die Spanier durch Tricks und falsche Versprechungen oft auf unbewaffnete Gegner stießen, die sie in schrecklichen Massakern umbrachten.

Die Plaza Mayor in Lima
Das Zentrum des ehemaligen Kolonialreichs
Quelle: Wikimedia Commons

Nach der Eroberung dieses Gebiets wurde Lima zum Sitz des Vizekönigtums Neu-Kastilien, das später in Vizekönigtum Peru umgenannt wurde. Zum Zeitpunkt seiner Gründung waren diesem Vizekönigtum alle spanischen Gebiete Südamerikas untergeordnet. Erst im achtzehnten Jahrhundert spalteten sich die Vizekönigreiche Neugranada und Río de la Plata ab. Das Vizekönigtum Peru verlor so zwar den größten Teil seiner Fläche, Lima blieb aber dennoch eine der wichtigsten Städte Südamerikas.

Peru war eines der letzten Länder Südamerikas, in denen sich die Bevölkerung gegen die spanische Herrschaft auflehnte. Erst als der argentinische General San Martin, der zuvor bereits Argentinien und Chile von der spanischen Herrschaft befreit hatte, in Peru einmarschierte, wurden die Spanier vertrieben. Jedoch dauerte die Herrschaft San Martins nur kurze Zeit und er musste sich nach Chile zurückziehen. Lima fiel so wieder in die Hand der Spanier. Kurze Zeit später stieß jedoch das Heer des Generals Simón Bolívar von Norden aus nach Peru vor und konnte die Spanier schnell wieder vertreiben. Bolívar wollte Peru in die Republik Kolumbien einverleiben. Dies führte jedoch zum erbitterten Widerstand der Peruaner. Die Widerstandskämpfer fielen 1829 in Ecuador ein, um sich gegen die Pläne Bolívars zur Wehr zu setzen. So konnte der unabhängige Staat Peru entstehen.

Die Geschichte des unabhängigen Perus beinhaltet viele Kriege, vor allem mit Chile und Ecuador. Auch innenpolitisch war Peru durch viele Unruhen geprägt. Viele gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Vertretern der Rechten und der Linken prägten die politischen Auseinandersetzungen. Mehrere Militärputsche fanden statt. Seit 1980 setzte sich jedoch die Demokratie in Peru durch. Jedoch wurde die Demokratie zum einen durch den bewaffneten Kampf der linken Bewegung Sendero Luminoso (“der erleuchtete Pfad”) erschwert, die selbst vor Gewalt gegen unbeteiligte Zivilisten nicht zurückschreckte. Zum anderen wurden während der zwar demokratisch legitimierten, aber dennoch sehr autoritären Präsidentschaft Alberto Fujimoris viele demokratische Grundrechte außer Kraft gesetzt. Erst nachdem Sendero Luminoso zerschlagen wurde und die Regierung Fujimoris zu ihrem Ende kam, konnten mehr demokratische Standards in Peru umgesetzt werden.

Das politische System Perus

Der Präsidentenpalast in Lima
Der Sitz der peruanischen Regierung
Quelle: Wikimedia Commons

Rechtlich betrachtet ist Peru eine semipräsidiale Republik. Neben den fast ausschließlich präsidialen Republiken Lateinamerikas stellt Peru eine Ausnahme dar. Der semipräsidiale Charakter liegt darin begründet, dass die peruanische Verfassung einen Ministerpräsidenten vorsieht, der unabhängig vom Präsidenten als Regierungschef tätig sein kann und vom Parlament in einem Misstrauensvotum abberufen werden kann. In der Praxis wird dieses System jedoch nicht umgesetzt. Der Ministerpräsident ist vom Präsidenten abhängig, der Präsident ist so de facto auch Regierungschef.

Die Parteienlandschaft Perus unterliegt einem ständigen Wandel und ist stark zersplittert. Die traditionsreichste peruanische Partei ist die APRA (Alianza Popular Revolucionaria Americana), welche bei den Präsidentschaftswahlen 2006 mit ihrem Kandidaten Alan García siegreich war. 2011 jedoch trat sie nicht einmal zu den Präsidentschaftswahlen an. Die restlichen Parteien sind meist kurzlebige Wahlbündnisse, die für die Unterstützung eines bestimmten Präsidentschaftskandidaten gegründet werden. Die momentan wichtigste dieser Parteien ist die nationalistische Partei Perus (PNP, Partido Nacionalista Peruano), deren Führer der aktuelle Präsident Ollanta Humala ist.

Die Kultur Perus

Indigene Bevölkerung in Peru
Indigenas in Peru
Quelle: Wikimedia Commons

Obwohl Peru lange Zeit das wichtigste Zentrum der Spanier in Südamerika war, fand nur eine geringe Besiedlung statt. Daher ist der größte Teil der Bevölkerung Perus indigener Abstammung. Die europäischstämmige Bevölkerung ist zum überwiegenden Teil in der Hauptstadt Lima oder in geringerem Umfang auch in anderen Städten der Küstenebene ansässig. Die Kultur der Bevölkerung ist eine Mischung aus der Kultur der Eingeborenen und der katholischen Tradition der Spanier. Peru wurde fast vollständig zum Christentum bekehrt.

Auch sprachlich setzten sich die Spanier in den meisten Landesteilen durch. Dennoch besteht eine beachtliche Minderheit, die Spanisch nicht als ihre Muttersprache ansieht und die etwa 20 Prozent der Bevölkerung ausmacht.

Peru ist auch ein beliebtes Reiseziel für ausländische Touristen. Insbesondere die faszinierenden Ruinen der Inkastadt Machu Picchu ziehen viele Reisende an. Die hoch auf einem Bergrücken gelegenen Ruinen, die am Übergang zwischen dem Hochgebirge und dem tropischen Regenwald liegen, sind eine der bedeutendsten historischen Hinterlassenschaften der Welt. Die in der Nähe gelegene Stadt Cuzco, die früher die Hauptstadt des Inkareichs war, ist ebenfalls ein beliebtes Ziel einer Reise nach Peru. Das durch die spanische Kultur geprägte Lima ist in den meisten Fällen Ausgangspunkt einer Rundreise durch Peru. Reisen durch das Land können je nach Geschmack des Urlaubers auch die Badestrände der Küstengebiete, den Regenwald oder das Hochgebirge, in dem sich noch viele weitere Ruinen des Inkareichs befinden, zum Ziel haben.

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