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Puerto Rico

Landkarte Puerto Rico
Die Geografie Puerto Ricos
Quelle: Wikimedia Commons

Puerto Rico ist ein Freistaat in der Karibik. Der Inselstaat ist nicht eigenständig, sondern er ist ein sogenanntes Außengebiet der USA. Dieser Status bedeutet, dass Puerto Rico zwar offiziell Teil der USA ist, dass aber dennoch in vielen Bereichen eine Unabhängigkeit besteht und dass auf der anderen Seite die Einwohner nicht die gleichen Rechte genießen, wie die übrigen Bürger der USA.

Wo liegt Puerto Rico?

Puerto Rico ist ein Inselstaat in der Karibik, der aus der Hauptinsel besteht, die den gleichen Namen trägt wie das Land selbst und vielen weiteren Nebeninseln. Die größten sind Vieques mit knapp 10.000 Einwohnern und Culebra mit knapp 2.000 Bewohnern. Die übrigen Inseln sind unbewohnt. Insgesamt hat das Land rund 3,75 Millionen Einwohner.

Puerto Rico liegt am Übergang zwischen dem Karibischen Meer und dem Atlantischen Ozean. Die westliche Nachbarinsel ist Hispaniola, auf der die Dominikanische Republik liegt. Östlich von Puerto Rico liegen verschiedene Inseln wie beispielsweise die Jungferninseln und die Antillen. Im Norden und im Süden schließen sich keine größeren Nachbarinseln an.

Weite Teile Puerto Ricos sind durch eine bergige Landschaft geprägt, obwohl die höchste Erhebung der Insel - der Cerro La Punta - nur eine Höhe von 1338 Metern aufweist. Das Klima im Land ist tropisch warm. Die Niederschlagsmenge ist relativ hoch, doch gibt es auch kleinere Wüstengebiete. Insbesondere der Südteil der Insel ist deutlich trockener als der Norden oder die Gebirgsregion im Zentrum.

Die Hauptstadt Puerto Ricos ist San Juan. Die Stadt liegt an der Nordküste und hat etwas mehr als 400.000 Einwohner. Das Ballungszentrum umfasst jedoch etwa 2 Millionen Menschen und somit mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung des Inselstaats.

Die Geschichte Puerto Ricos

Eine Festung auf Puerto Rico
Die bekannte Festung Castillo del Morro
Quelle: Wikimedia Commons

Puerto Rico wurde bereits vor mehreren Jahrtausenden besiedelt. Die Forscher gehen davon aus, dass sich zwischen 3000 und 2000 v. Chr. die ersten Stämme auf der Insel niederließen. Die Besiedelung war jedoch nicht dauerhaft und im Laufe der Jahrhunderte ließen sich verschiedene Volksgruppen auf der Insel nieder.

Als Christoph Kolumbus die Insel 1493 auf seiner zweiten Reise nach Amerika entdeckte, lebte dort das Volk der Taínos. Dieses empfing die Spanier friedlich und übergab ihnen Geschenke aus Gold. Manche Quellen berichten, dass sie die europäischen Eroberer als Götter betrachteten. Dies ist allerdings sehr umstritten.

1508 wurde die erste Siedlung auf der Insel gegründet - die heutige Hauptstadt San Juan. Zunächst versklavten die Spanier die Einheimischen und verpflichteten sie zur Arbeit in der Landwirtschaft. Zwar wurden 1512 Gesetze erlassen, nach denen die Ureinwohner keine Sklaven waren und die eine Entlohnung für die Arbeit vorschrieben und auch die Arbeitszeit begrenzten, doch wurden diese nicht umgesetzt. So kam es zu einem Aufstand der Einheimischen, der jedoch keinen Erfolg brachte und niedergeschlagen wurde.

In der Folgezeit starben die ursprünglichen Bewohner der Insel aus, da die Auseinandersetzungen mit den Spaniern und auch die eingeschleppten Kranheiten viele Opfer forderten. Dennoch konnte sich deren Kultur in einigen Bereichen bewahren. In Puerto Rico gibt es viele traditionelle Gebrauchsgegenstände und auch in der Sprache sind viele Wörter erhalten, die auf die Ureinwohner zurückzuführen sind.

Puerto Rico war ein wichtiger militärischer Stützpunkt für die Spanier, da die Insel strategisch günstig liegt, um den Zugang zur Karibik und zu Mittelamerika zu gewährleisten. Daher wurde sie im Laufe der Jahrhunderte von verschiedenen anderen Mächten - insbesondere von den Engländern - immer wieder angegriffen.

Im neunzehnten Jahrhundert strebte die Bevölkerung Puerto Ricos immer stärker nach Unabhängigkeit. Zu Beginn des Jahrhunderts befand sich Spanien im Krieg mit Napoleon, weshalb die Regierung sich die Unterstützung der Kolonien zusichern wollte und so deren Freiheiten und Rechte stärkte. Nach dem Kriegsende in Europa wurden die neu gewonnenen Freiheiten jedoch wieder beschnitten, was in Puerto Rico zu zahlreichen Auseinandersetzungen führet. Doch erst 1897 konnte Puerto Rico sich eine weitgehende Autonomie erkämpfen, ohne jedoch unabhängig zu werden.

Diese Autonomie währte jedoch nur kurz. Bereits 1898 besetzten die USA die Insel im Rahmen des Spanisch-Amerikanischen Krieges. Da die Truppen nur auf geringen Widerstand trafen, wurde die Besetzung schnell vollzogen und die Spanier mussten die Insel verlassen.

Zunächst wurde Puerto Rico einer Militärregierung unterstellt, jedoch richteten die Eroberer bereits im Jahre 1900 eine zivile Regierung ein. Puerto Rico wurde in vielen Bereichen in das politische und auch in das juristische System der USA eingegliedert, jedoch wurde es offiziell nicht zu einem Teil des nordamerikanischen Staates. Allerdings erhielten die Puerto-Ricaner die Staatsbürgerschaft der USA. Da es sich jedoch nach wie vor um ein nicht inkorporiertes Gebiet handelt, bleiben ihre politischen Rechte eingeschränkt.

Immer wieder kam es zu Volksabstimmungen über den territorialen Status Puerto Ricos. Dabei wurde immer die aktuelle Staatsform bestätigt, weshalb die Insel ihren Status als nicht inkorporierter Freistaat aufrechterhielt. Erst bei der Abstimmung 2012 stimmte eine Mehrheit für die vollständige Eingliederung in die USA. Doch muss noch abgewartet werden, welche Auswirkungen diese Abstimmung haben wird.

Das politische System Puerto Ricos

Der Regierungspalast auf Puerto Rico
Der Sitz der puerto-ricanischen Regierung
Quelle: Wikimedia Commons

Das politische System Puerto Ricos wird bestimmt durch seinen Status als Außengebiet der USA. Dies bedeutet, dass es sich dabei im Grunde nicht um einen unabhängigen Staat handelt. Die Regierung Puerto Ricos nimmt zwar einige Teile der Aufgaben einer souveränen Regierung wahr, andere Bereiche fallen hingegen in den Zuständigkeitsbereich der Regierung der USA. Einer der wichtigsten Punkte ist hierbei die Außenpolitik. Die Regierung Puerto Ricos verfügt nicht über das Recht, eine eigene Außenpolitik zu gestalten. Insbesondere in innenpolitischen Belangen hat die Regierung jedoch eine weitgehende Autonomie.

Auch die Rechte und Pflichten der Einwohner orientieren sich teilweise an den USA, in anderen Bereichen jedoch an einer eigenen Gesetzgebung. Als Beispiel hierfür kann die Staatsbürgerschaft der Puerto Ricaner dienen. Es gibt keine eigene Staatsbürgerschaft für die Bewohner der Insel - Sie erhalten bei ihrer Geburt die Staatsbürgerschaft der USA. Dabei werden ihnen jedoch nicht alle Rechte der Verfassung verliehen, sondern lediglich deren Grundrechte. Bei der Präsidentschaftswahl sind sie nicht stimmberechtigt - es sei denn, sie verlegen ihren Wohnsitz in das Kerngebiet der USA. Sie können zwar einen Vertreter für das Repräsentantenhaus wählen, dieser hat dort jedoch kein Stimmrecht. In vielen Bereichen müssen die Puerto Ricaner die US-Bundessteuern bezahlen. In einem der wichtigsten Bereiche - bei der Einkommenssteuer - besteht jedoch eine Autonomie, sodass die Regierung dort nicht nur den Steuersatz selbst festlegen kann, sondern auch über diese Gelder unabhängig verfügen darf.

Der Regierungschef Puerto Ricos ist der Gouverneur. Einen Präsidenten oder eine andere Form des Staatsoberhaupts gibt es hier nicht, da Puerto Rico kein unabhängiger Staat ist und somit der Präsident der USA diese Rolle ausübt. Das Parlament der Insel ist nach dem Vorbild der Legislative der Vereinigten Staaten aufgebaut. Auch hier gibt es ein Parlament aus zwei Kammern - dem Abgeordnetenhaus und dem Senat. Die politischen Parteien in Puerto Rico entstanden in erster Linie an der Konfliktlinie über den territorialen Status des Gebiets. Folglich gibt es drei große Parteien auf der Karibikinsel:

 

Die Wirtschaft der Karibikinsel

Traditionell stellt die Landwirtschaft einen der wichtigsten Industriezweige der Insel dar. Bananen, Tabak, Ananas, Kaffee und Zuckerrohr sind die wichtigsten Produkte, die hier angebaut werden. Ein großer Teil dieser Produkte wird in die USA exportiert.

Im industriellen Bereich ist insbesondere die Nahrungsmittelindustrie von Bedeutung. Es entwickelten sich noch einige andere Industriezweige auf der Insel, deren Bedeutung ist jedoch in der Gesamtbetrachtung relativ gering. Eine wichtige Einkommensquelle für Puerto Rico sind darüber hinaus auch die Subventionen aus den USA. Es findet ein stetiger Geldtransfer in erheblichem Umfang statt, der dafür sorgt, dass beispielsweise das Gesundheitswesen und die Infrastruktur der Insel erheblich besser sind als es eigentlich aufgrund der eigenen Wirtschaftskraft zu erwarten wäre.

Immer wichtiger für die Wirtschaft Puerto Ricos ist der Tourismus geworden. Die Insel zeichnet sich durch ein tropisches Klima und sehr ansprechende Sandstrände aus, die sie zu einem idealen Ziel für einen Badeurlaub machen. Insbesondere die Bewohner Nordamerikas machen gerne Urlaub auf Puerto Rico. Doch auch immer mehr Urlauber aus Europa oder anderen Gebieten der Welt wählen Puerto Rico als Urlaubsziel. Dazu kommt, dass Puerto Rico hinsichtlich der Sicherheit und der Infrastruktur große Vorteile gegenüber anderen Ländern der Region bietet.

Zu Puerto Rico erschienen bisher folgende Artikel:

Puerto Rico will Staat der USA werden

07.11.2012 In einem Referendum sprach sich eine große Mehrheit dafür aus, dass das Land in der Karibik vollständig in die USA integriert werden soll. mehr>





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