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Die Geschichte Lateinamerikas

Die Geschichte Lateinamerikas zieht sich über mehrere Jahrhunderte hinweg umfasst die Geschichte vieler verschiedener Länder. Daraus ergibt sich eine große Fülle einzelner Details und Ereignisse, die jedoch in diesem Artikel nicht alle aufgegriffen werden können. Der Zweck dieses Artikels ist es, die lateinamerikanische Geschichte in groben Zügen nachzuzeichnen, ohne auf Einzelheiten einzugehen. Um einzelne Ereignisse ausführlicher zu beschreiben, erscheinen von Zeit zu Zeit weitere Artikel, die sich mit einem bestimmten Thema der lateinamerikanischen Geschichte tiefergehend befassen. Hier wird eine kleine Einführung in die Geschichte Lateinamerikas gegeben, die als Hintergrundinformation dienen soll.

Die präkolumbische Geschichte

Lange Zeit wurde mit der lateinamerikanischen Geschichtsschreibung erst mit der Entdeckung Amerikas durch die Spanier begonnen. Wenn man in Lateinamerika Geschichte studierte, begann diese in der Regel erst mit dem Jahr 1492. Doch bereits lange vor diesem Zeitpunkt wurde diese Weltregion besiedelt, wobei faszinierende Kulturen entstanden, deren Wissen für die damalige Zeit sehr beachtlich war und die den europäischen Kulturen in vielen Bereichen überlegen waren. Die Geringschätzung der präkolumbischen Geschichte Lateinamerikas hängt sicherlich damit zusammen, dass die Kolonialherren die Kultur, Sitten und Gebräuche der indigenen Kulturen als minderwertig und unzivilisiert einstuften. Diese Denkweise hat sich in einigen Teilen der Bevölkerung bis heute erhalten. Erst seit einiger Zeit beginnt man in Lateinamerika Geschichte neu zu definieren und auch die Kulturen vor der Entdeckung Amerikas miteinzubeziehen.

Das Gebiet Lateinamerikas ist bereits seit etwa 10.000 Jahren besiedelt. Vor 7.000 Jahren wurde bereits Ackerbau betrieben. Die Lebensformen der verschiedenen Völker unterschieden sich stark. Während in vielen Teilen nomadische Stämme lebten, wurden die Menschen in anderen Gebieten schnell sesshaft. Die präkolumbische Zeit wird in Lateinamerika in der Regel mit den großen Kulturen der Inka, Maya und Azteken verbunden. Jedes dieser Völker entwickelte seine eigene faszinierende Kultur und hinterließ Bauwerke, die noch in der heutigen Zeit bewundert werden können. Die Pyramiden der Maya im Süden Mexikos und die Bauwerke der der Inka, wie beispielsweise das weltbekannte Machu Picchu, sind faszinierende Zeugen dieser Kulturen. Die aztekische Hauptstadt Tenochtitlán wurde zwar weitestgehend von den Spaniern zerstört, sodass die beeindruckenden Anlagen der Stadt für die Nachwelt nicht erhalten geblieben sind, doch geben beispielsweise die Tempelanlagen von Teotihuacán einen Einblick in die überwältigende Baukunst der Azteken. Auch im wissenschaftlichen Bereich waren die Leistungen dieser Völker beeindruckend. In Ecuador stellte man bei Ausgrabungen fest, dass die Inka den Äquator bereits genau bestimmt hatten, was den spanischen Eroberern in den darauffolgenden Jahrhunderten hingegen nicht gelang.

Die Eroberung durch die Spanier

Als Kolumbus 1492 Amerika entdeckte, bedeutete dies den Beginn der spanischen Eroberung. In vielen Gebieten wurden die fremden Seefahrer von den Eingeborenen freundlich begrüßt und mit Geschenken empfangen. Nicht selten war hingegen die Begrüßung durch die Spanier weniger freundlich. Kuba war eines der ersten Gebiete, das von den Spaniern erobert wurde. Schnell rückten auch Mittel- und Nordamerika in das Zentrum der spanischen Interessen. Der Kampf gegen die Azteken wurde 1525 mit der Hinrichtung des letzten Aztekenkönigs beendet, was die Grundlage für die spanische Herrschaft in er Region bildete. Sowohl die Kämpfer der Azteken als auch die Kämpfer vieler anderer Stämme wurden insbesondere durch die Krankheiten stark geschwächt, die die europäischen Besatzer einschleppten. 1535 wurde das Vizekönigreich Neuspanien Gegründet, welches die erste Verwaltungseinheit für die spanischen Kolonien darstellte. Das Gebiet Umfasste Nord- und Mittelamerika sowie einige Inseln im Pazifik vor der asiatischen Küste.

1531 begann die Eroberung Perus. Mit den Inkas legten sich die Spanier so auch mit der zweiten wichtigen amerikanischen Kultur an. Die Inkas waren zu dieser Zeit durch einen Bürgerkrieg geschwächt, was die Interessen der Spanier stark begünstigte. Genau wie in Nord- und Mittelamerika litten auch in Südamerika die Eingeborenen stark unter den eingeschleppten Krankheiten. 1532 metzelten die Spanier in Cajamarca hunderte unbewaffnete Inka nieder. Obwohl sich der Widerstand vereinzelter Gruppen noch über Jahrzehnte hinzog, bedeutete dieses Massaker die Festigung der Herrschaft in Südamerika. 1542 wurde das Vizekönigreich Peru (zunächst unter dem Namen Neu Kastilien) gegründet, das die spanische Herrschaft in Südamerika verwaltete.

Neben den Spaniern hatten auch die portugiesischen Eroberer Interesse an den Gebieten Lateinamerikas. Sie einigten sich mit den spanischen Eroberern und erhielten das heutige Brasilien zugesprochen. Die Kolonisation dieses Gebiets traf nur auf wenig Widerstand und die portugiesischen Seefahrer nutzten die Kolonien für den Handel mit dem Mutterland.

In den darauffolgenden Jahren unterlag die spanische Herrschaft in Lateinamerika mehreren Änderungen in der Verwaltung. 1717 wurde das Vizekönigreich Neu-Granada gegründet, das das nördliche Südamerika umfasste und von den beiden bisherigen Vizekönigreichen Gebiete einnahm. 1776 wurde schließlich das Vizekönigreich Río de la Plata gegründet, das das südliche Südamerika verwaltete. Obwohl die Spanier im Laufe der Jahrhunderte ihre Herrschaft stark ausbauten, blieben dennoch Gebiete bestehen, die sie nicht kontrollieren konnten. Beispielsweise im südlichen Chile oder im Westen Argentiniens konnten sich viele kleinere Stämme der Kolonisation widersetzen.

Die Unabhängigkeit Lateinamerikas

Der Kampf um die Unabhängigkeit begann 1810 in Buenos Aires. Argentinien war das erste Land, das sich von der spanischen Herrschaft lossagte. Der argentinische General San Martín führte den Unabhängigkeitskrieg erfolgreich an und sorgte so nicht nur für die Befreiung Argentiniens, sondern befreite auch Chile und Peru. Dort traf er auf Simón Bolívar, der in der Zwischenzeit mit dem Unabhängigkeitskampf von Venezuela aus begonnen hatte. Auch Mexiko begann 1810 mit dem Kampf gegen die Spanier. Bis 1820 erlangten fast alle lateinamerikanischen Staaten ihre Unabhängigkeit. Lediglich Kuba blieb noch fast bis zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts unter spanischer Herrschaft.

In den meisten lateinamerikanischen Ländern etablierten sich daraufhin oligarchische Regierungen, die oftmals von den Großgrundbesitzern kontrolliert wurden. Das neunzehnte Jahrhundert zeichnete sich in Lateinamerika durch häufige politische Regimewechsel, viele Kriege und eine politische Exklusion der Mehrheit der Bevölkerung aus.

Das zwanzigste Jahrhundert

Das zwanzigste Jahrhundert brachte vielen lateinamerikanischen Staaten demokratische Veränderungen. Zu Beginn des Jahrhunderts fanden in vielen Ländern freie Wahlen statt und demokratische Regierungen konnten die Herrschaft erringen. In vielen Ländern war die Zeit der Demokratie jedoch nur kurz. Immer wieder griffen die Militärs in die Politik ein und es kam in vielen Ländern zu Militärputschen. Eine demokratische Kultur konnte sich in kaum einem Land in Lateinamerika entwickeln.

Erst in den achtziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts kam es zu einer weitreichenden Demokratisierungswelle. In fast allen Ländern fanden die Militärregierungen in diesem Jahrzehnt ein Ende und demokratisch gewählte Regierungen konnten die Macht erringen. Mit Ausnahme Kubas werden heute alle Länder Lateinamerikas von demokratischen Regierungen regiert. Die Schwäche der demokratischen Institutionen und das Fehlen einer demokratischen Tradition und Kultur führen jedoch dazu, dass in vielen Ländern die Demokratie nicht voll entwickelt ist und es immer wieder zu Verletzungen wichtiger demokratischer Grundrechte kommt.

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