Nachrichten aus Lateinamerika

Nordamerika




Die Wirtschaft Lateinamerikas

Lateinamerika als Ganzes ist einer der bedeutendsten Wirtschaftsblöcke der Welt. Doch sind die Unterschiede im Einkommen der verschiedenen Länder beträchtlich. Die reichsten Länder der Region, Argentinien, Chile, Uruguay, Mexiko und Panama können ein Pro-Kopf-Einkommen von mehr als 12.000 US-Dollar pro Jahr verzeichnen. In Bolivien, Paraguay, Guatemala, Honduras und Nicaragua liegt das Pro-Kopf-Einkommen unter 6.000 Dollar. Die Unterschiede zwischen Argentinien, mit 16.831 Dollar Jahreseinkommen das reichste Land der Region und Nicaragua, das mit 3.147 US-Dollar das Land mit dem geringsten Durchschnittseinkommen ist, sind beträchtlich. (Alle Werte beruhen auf den Schätzungen des Weltwährungsfonds für 2011.)

Das Wachstum der Länder ist ebenfalls sehr unterschiedlich. Besonders im südlichen Südamerika konnten hohe Wachstumraten beobachtet werden. Die fünf Länder mit dem stärksten Wachstum waren 2010 Paraguay (9,0%), Uruguay (8,5%), Peru (8,3%), Brasilien (7,5%) und Argentinien (7,5%). Das einzige Land der Region, in dem die Wirtschaftsleistung zurückging war Venezuela mit einem Wachstum von -1,3%. El Salvador (1,0%), Kuba (1,4%), Honduras (2,4%) und Guatemala (2,4%) waren neben Venezuela die Länder mit dem niedrigsten Wachstum im Jahr 2010. Es ergibt sich das Bild, dass die Länder mit einem geringen Einkommen tendenziell auch weniger schnell wachsen. Jedoch gibt es mehrere Ausnahmen von dieser Regel. Insbesondere Paraguay, das eines der ärmsten Länder der Region ist, konnte das stärkste Wachstum verzeichnen.

Armut und ökonomische Ungleichheit in Lateinamerika

Die Armut ist eines der größten wirtschaftlichen Probleme Lateinamerikas. Obwohl das durchschnittliche Einkommen der Region relativ hoch ist, kommt es durch die extreme Ungleichverteilung in vielen Ländern zu großer Armut. Nach einer Studie der CEPAL, der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Lateinamerika, ist diese Region das Gebiet mit der höchsten wirtschaftlichen Ungleichverteilung der Welt.

Die Ungleichverteilung führt nicht nur zu sozialen Problemen, sie führt insbesondere auch zu einer hohen Kriminalitätsrate, welche wiederum das Wirtschaftswachstum bremst. Außerdem ist der Mangel an Bildung, der in den meisten Fällen mit der Armut einhergeht, ein weiterer wichtiger Umstand, der das Wachstum in der Region erschwert.

Wirtschaftliche Integration in Lateinamerika

Die Idee einer einheitlichen Wirtschaftszone für Lateinamerika, oder gar für den gesamten amerikanischen Kontinent wurde immer wieder auf die politische Tagesordnung gestellt, konnte bis heute jedoch nie verwirklicht werden. Ein gesamtamerikanisches Integrationsprojekt, das lange Zeit den Anschein erweckte, realisierbar zu sein, war die Amerikanische Freihandelszone (Abkürzungen: FTAA - Free Trade Area of the Americas - oder ALCA - Area de libre Comercio de las Américas). Die Pläne für dieses Projekt konnten letztendlich jedoch nicht verwirklicht werden. Die regionale Integration findet in Lateinamerika daher in kleinerem Rahmen statt. Im Norden bildet Mexiko mit den USA und Kanada die nordamerikanische Freihandelszone NAFTA. Mexiko ist somit das einzige lateinamerikanische Land, das Mitglied eines Wirtschaftsbündnisses ist, das die regionalen Grenzen überschreitet.

Die meisten mittelamerikanischen Staaten verwirklichten bilaterale Freihandelsabkommen mit den USA. In Südamerika entstanden zwei große Wirtschaftsblöcke, die Andengemeinschaft (CAN), mit den Mitgliedsstaaten Bolivien, Peru, Ecuador und Kolumbien sowie der Mercosur (Mercado Común del Sur), dem Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Venezuela angehören. Beide Blöcke setzten hohe Integrationsziele an, die Verwirklichung blieb jedoch in beiden Fällen unvollständig. Selbst der erste Integrationsschritt, die Einführung einer Freihandelszone, wurde nur unvollständig umgesetzt. Immer wieder kommt es zu nationalen Alleingängen, die den Freihandel außer Kraft setzen und die Wirtschaftsbündnisse belasten. Der MERCOSUR, der bereits in seinem Namen das Ziel des gemeinsamen Marktes trägt, ist von diesem Ziel sehr weit entfernt.

Das aktuellste Integrationsprojekt in Südamerika ist die Unasur (Unión de Naciones Suramericanas). Dieses Projekt umfasst die beiden Integrationsblöcke Mercosur und CAN sowie Chile, Suriname und Guyana. Damit sind in diesem Bündnis auch zwei Staaten vertreten, die nicht zu Lateinamerika zählen. Die Ziele sind sehr hoch gesteckt. Bis 2025 soll die Unasur ein der EU vergleichbares Wirtschaftsgebiet werden, mit gemeinsamer Währung, gemeinsamem Parlament und einheitlichen Reisepässen. Nachdem der Vertrag von allen Mitgliedsstaaten ratifiziert wurde, gründeten die Staatschefs im März 2011 die Unasur. Aufgrund der bisherigen Integrationserfahrungen in Lateinamerika ist jedoch etwas Skepsis geboten, ob dieses Projekt wirklich die hohen Ziele erfüllen wird, die es sich gesteckt hat, oder ob es sich in die lange Reihe unvollständiger und gescheiterter Integrationsprojekte einreiht.


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